Soll ich eine Katze aus dem Ausland aufnehmen?

Adoption von ehemaligen Straßenkatzen aus Süd- und Osteuropa

Ob man Katzen aus Einrichtungen in Süd- und Osteuropa oder der Türkei zu uns nach Mitteleuropa holen sollte, ist ein kontroverses Thema. Ein Argument  lautet, dass man damit die Probleme vor Ort langfristig nicht löst und es sinnvoller wäre, das Geld in Kastrationsprogramme in den betreffenden Regionen zu investieren. Ich bin der Meinung, dass beide Maßnahmen gleichzeitig ergriffen werden müssen. Wir können die Augen vor dem Leid der betroffenen Tiere nicht verschließen, ihnen muss geholfen werden. Parallel ist es wichtig, den Aufbau von legislativen und exekutiven Strukturen zu forcieren und möglichst viele Kastrationsprogramme durchzuführen. Ich bin häufiger in Spanien und betreue dort ansässige Kunden aus Deutschland, England und der Schweiz, die ehemalige Straßenkatzen oder Katzen aus Tötungsstationen aufgenommen haben. Ich kann gut verstehen, dass man angesichts der Not, mit der man vor Ort tagtäglich konfrontiert wird, helfen möchte. Gesunde Tiere kommen in grauenhafte Tötungsstationen, Perreras genannt, weil man sie auf der Straße nicht haben will und sich auf die Schnelle niemand gefunden hat, der sie aufnimmt. In den Tötungsstationen leben die Tiere oft eingepfercht in engen, verdreckten Käfigen, teilweise ohne Rücksicht auf die Befriedigung elementarster Bedürfnisse wie Fressen oder ein Katzenklo. Sie erleben, wie Käfignachbarn verschwinden und nie wieder kommen, sie spüren die Angst der anderen Tiere. Ich denke, dass sie wissen, was man in diesen Stationen mit ihnen vorhat. Aktive Tierschützer berichten, dass die Tötungsmethoden in den Perreras  unterschiedlich sind. Die Kosten für das Töten werden meist staatlich bezuschusst.

Die geretteten Tiere sind oft gut mit anderen Katzen sozialisiert, haben aber teilweise katastrophale Erfahrungen mit Menschen gemacht. Sie wurden mit Steinen verjagt und getreten, außerdem sind sie traumatisiert durch das Eingefangenwerden und den Aufenthalt in den Tötungsstationen. Es ist bewundernswert, dass viele dieser Tiere es trotzdem meistern, sich an ein Leben in der Fremde bei uns zu gewöhnen und eine enge Bindung mit ihren Menschen aufzubauen.

Es ist eine Freude zu sehen, wie sie hier in einem neuen, sicheren Heim aufblühen. Diese Katzen können die dankbarsten Mitbewohner sein, die man sich vorstellen kann. Trotzdem gibt es diverse Risiken, denn nicht jede ehemalige Straßenkatze schafft es, sich an ein Leben in Deutschland, gegebenenfalls ohne Freigang und in engem Kontakt mit Menschen zu gewöhnen.

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© Birga Dexel