Katzenhaltung

Katzen sind fakultativ sozial, d.h. die Sozialfähigkeit von Katzen ist von Katzenindividuum zu Individuum unterschiedlich ausgeprägt.

Unter dem Strich möchte ich zu einem Mehrkatzenhaushalt weder zu- noch abraten. Ich habe persönlich mit Katzen in allen Formen schon zusammengelebt, von ausgeprägten Einzelgängern wie meinen Kätzinnen Gina und Vida, über sehr geselligen wie meinem Kater Marvin zu bedingt sozialfähigen, die nur mit bestimmten Artgenossen konnten.

In London habe ich in einem Haushalt mit elf Freigängerkatzen gelebt, das hat wunderbar funktioniert. Alle kamen relativ komplikationslos miteinander klar und es gab wenig Stress. Der einzige, der den Hausfrieden manchmal störte war der Siamkater Spooky von nebenan, der sich immer durch die Katzenklappe in unsere Küche schlich, dort das übriggebliebene Futter inhalierte und nach dem Fressen von außen die Terrassentür zur Küche markierte. 

 

Mehrere Katzen halten.

Mein Wissen aus der Katzenpraxis

Adoption von ehemaligen Straßenkatzen aus Süd- und Osteuropa

Ob man Katzen aus Einrichtungen in Süd- und Osteuropa oder der Türkei zu uns nach Mitteleuropa holen sollte, ist ein kontroverses Thema. Ein Argument  lautet, dass man damit die Probleme vor Ort langfristig nicht löst und es sinnvoller wäre, das Geld in Kastrationsprogramme in den betreffenden Regionen zu investieren. Ich bin der Meinung, dass beide Maßnahmen gleichzeitig ergriffen werden müssen. Wir können die Augen vor dem Leid der betroffenen Tiere nicht verschließen, ihnen muss geholfen werden. Parallel ist es wichtig, den Aufbau von legislativen und exekutiven Strukturen zu forcieren und möglichst viele Kastrationsprogramme durchzuführen. Ich bin häufiger in Spanien und betreue dort ansässige Kunden aus Deutschland, England und der Schweiz, die ehemalige Straßenkatzen oder Katzen aus Tötungsstationen aufgenommen haben. Ich kann gut verstehen, dass man angesichts der Not, mit der man vor Ort tagtäglich konfrontiert wird, helfen möchte. Gesunde Tiere kommen in grauenhafte Tötungsstationen, Perreras genannt, weil man sie auf der Straße nicht haben will und sich auf die Schnelle niemand gefunden hat, der sie aufnimmt. In den Tötungsstationen leben die Tiere oft eingepfercht in engen, verdreckten Käfigen, teilweise ohne Rücksicht auf die Befriedigung elementarster Bedürfnisse wie Fressen oder ein Katzenklo. Sie erleben, wie Käfignachbarn verschwinden und nie wieder kommen, sie spüren die Angst der anderen Tiere. Ich denke, dass sie wissen, was man in diesen Stationen mit ihnen vorhat. Aktive Tierschützer berichten, dass die Tötungsmethoden in den Perreras  unterschiedlich sind. Die Kosten für das Töten werden meist staatlich bezuschusst.

Die geretteten Tiere sind oft gut mit anderen Katzen sozialisiert, haben aber teilweise katastrophale Erfahrungen mit Menschen gemacht. Sie wurden mit Steinen verjagt und getreten, außerdem sind sie traumatisiert durch das Eingefangenwerden und den Aufenthalt in den Tötungsstationen. Es ist bewundernswert, dass viele dieser Tiere es trotzdem meistern, sich an ein Leben in der Fremde bei uns zu gewöhnen und eine enge Bindung mit ihren Menschen aufzubauen.

Es ist eine Freude zu sehen, wie sie hier in einem neuen, sicheren Heim aufblühen. Diese Katzen können die dankbarsten Mitbewohner sein, die man sich vorstellen kann. Trotzdem gibt es diverse Risiken, denn nicht jede ehemalige Straßenkatze schafft es, sich an ein Leben in Deutschland, gegebenenfalls ohne Freigang und in engem Kontakt mit Menschen zu gewöhnen.

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© Birga Dexel

Katzen und ihr Transportkorb eine besondere Liebesgeschichte

Die Scheu vor dem Transportkorb und Transporten bei Katzen erklärt sich unter anderem dadurch, dass am Ende der Reise meistens der Tierarzt wartet oder die Trennung vom Halter z.B. durch einen Aufenthalt in einer Katzenpension, Orte und Anlässe, die Katzen in der Regel nicht schätzen. Für viele ist ein Transport immer mit Negativem verbunden, sie kennen es nicht, dass sie mal zu etwas Schönem mitgenommen werden. Nach nur einem negativen Erlebniss kann die Transportbox und das ganze Prozedere drumherum schon „verbrannt“ sein, die Katze weiß genau, wenn ich erst einmal da drin bin, folgt etwas Unangenehmes. Wir Menschen kennen diesen Mechanismus und die Angst vor bestimmten unangenehmen Situationen auch: Es gibt für die meisten von uns bestimmt viele attraktivere und vertrauenserweckendere Orte als beispielsweise Zahnarztpraxen oder Krankenhäuser. In der Regel gelingt es uns aber, uns mittels Rationalisierung von einem solchen Vermeidungsverhalten zu lösen und trotzdem hinzugehen.

Zusätzlich zu dem, was am Ende der Reise auf mich als Katze wartet, kommt das - diplomatisch ausgedrückt - ungeschickte Verhalten vieler Halter, wenn es darum geht, die Katze unter Stress und Termindruck in den Transportkorb zu bugsieren. Da wird dann schon mal das gesamte Arsenal an Bestechungsleckerchen, und, wenn das nicht klappt, Zwangsmaßnahmen ausgepackt. Katzen, die sich aus Angst vor der Box versteckt haben, werden aus ihrem Versteck hervorgezogen, mit Besen herausgedrängt, mit Kraftanwendung und gegebenenfalls Handschuhen in den Korb hineingedrückt. Die logische Konsequenz daraus: die Box wird immer verhasster und die Aufgabe, die Katze zum Hineingehen zu bewegen, immer schwieriger. Der britische Biologe Dr.Rupert Sheldrake zitiert in seinem Buch " Der Siebte Sinn der Tiere" eine Umfrage unter Tierärzten im Norden Londons zum Thema Terminabsagen von Katzenhaltern, weil sie die Katze nicht vorstellen konnten. Die Katzen waren entweder nicht mehr auffindbar oder die Halter hatten es nicht geschafft, die Katze in die Box zu bekommen. Von den fünfundsechzig befragten Kliniken gaben vierundsechzig an, dass solche Absagen häufig vorkämen. Die Lösung liegt im langsamen und systematischen Gewöhnen der Katze an den Transportkorb, außerdem sollte man medizinisches Training durchführen und das Transportieren in der Box und im Auto mithilfe des Clickers üben.  Wer erst einen Tag vor dem anstehenden Besuch beim Veterinär damit anfängt, hat natürlich schlechte Karten.

 

Im Buch erläutern wir detailliert, wie man seiner Katze die Angst vor dem Transportkorb nimmt.

Cartoon Katzen und der Transportkorb
© B. Dexel / Micho

(Der kontrollierte Leinengang bei Katzen wird immer noch oft belächelt und ist mit vielen Vorurteilen verbunden bis hin zu der immer noch geläufigen Meinung, Katzen könne der Leinengang nicht beigebracht werden.)

Die steigende Katzenpopulation in Großstädten bedeutet für viele hauptsächlich in Wohnungen gehaltenen Katzen ein reizarmes Leben. Sie haben oft keine oder nur eingeschränkter Möglichkeiten ihr kätzisches Verhaltensrepartoire voll ausleben zu können und selten dauerhaften Zugang zu Frischluft. Viele Halter haben berechtige Sorgen, ihre Katzen unkontrollierten Freigang zu gewähren. Die Unfallgefahr aufgrund des Straßenverkehrs ist hoch, ebenso wie das Potential für Konflikte mit anderen Nachbarskatzen, Hunden oder den Nachbarn selbst, wenn diese ein Problem mit Freigängern haben.

Der kontrollierte Leinengang bietet die Möglichkeit sich intensiv mit der eigenen Katze zu beschäftigen, indem man zunächst mit Hilfe des zuvor etablierten Clickertrainings den Leinengang antrainiert. Dieses besondere Training sollte von langer Hand vorbereitet werden, sprich das Clickertraining sollte etabliert und gut verinnerlicht sein, bevor man an die Gewöhnung eines passenden Geschirrs geht oder gar die ersten Schritte außerhalb der Wohnung macht. Nach einer gründlichen Gefahrenanalyse der näheren oder gut erreichbaren Umgebung vor allem in Hinblick auf Hunde und Verkehr, kann ein geeigneter Ort gefunden werden. Dies kann zum Beispiel ein überschaubarer Innenhof sein, ein verkehrsberuhigter Bereich oder ein gut einsehbarer Park. Beim sicheren Leinengang geht es vor allem darum, qualitativ hochwertige gemeinsame Zeit mit seiner Katze an der frischen Luft zu verbringen. Dieser bietet zudem eine weitere Möglichkeit Wohnungskatzen besser auszulasten, die neben einer artgerechten, altersgerechten und variantenreichen Beschäftigung innerhalb der Wohnung, die Katzen geistig, körperlich und mit allen Sinnen fördern soll. Besonders wichtig hierbei ist es auch, Katzen beizubringen, dass sie sich hochnehmen lassen und auf ein Abrufsignal hören – gerade in gefährlichen, unvorhergesehenen Situationen sind das elementare Basics, die dabei helfen, Katze und Halter die Situationen unbeschadet zu überstehen.

Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für das Clickertraining und speziell für den sicheren Leinengang finden Sie in unserem Buch: „Birga Dexel’s Clickertraining“. Gerne stehen wir Ihnen aber auch für ein persönliches Clickercoaching via Skype und mit Hilfe von Videoanalysen zur Verfügung oder beraten Sie bei der Frage, ob und wenn ja wo ein gesicherter Leinengang in Ihrer Umgebung realisierbar ist unter Berücksichtigung der individuellen Begebenheiten bei Ihnen vor Ort sowie der jeweiligen Persönlichkeit Ihrer Katzen.

Ich fahre in den Urlaub – Wohin mit meiner Katzer?

Jedes Jahr zur Urlaubszeit werden Tierheime mit Tieren überschwemmt, die dort abgegeben oder ausgesetzt wurden, weil die Tierhalter sich nicht um eine geeignete Urlaubsunterbringung gekümmert hatten. Dabei kann mit etwas Planung für jeden Tierhalter und jeden Geldbeutel eine tiergerechte Lösung gefunden werden. Oberste Maxime ist möglichst frühzeitig planen, wie die Katze in der Abwesenheit untergebracht sein kann. Welche Möglichkeiten es gibt, hängt vom individuellen Tier, der Tierart, dem Alter und Gesundheitsstatus ab. Wichtig ist es, die für Mensch und Tier günstigste Lösung zu finden.

Generell heißt es, dass Hunde am besten dafür geeignet sind mit in den Urlaub zu fahren, da sie am liebsten dort sind, wo sich auch die geliebten Menschen aufhalten und Katzen es hingegen vorziehen würden in der gewohnten Umgebung zu bleiben. Das sind jedoch Richtwerte: nicht jeder Hund ist begeisterter Autofahrer oder Flieger und manche Katzen, die sehr an ihren Menschen hängen, bleiben ungern alleine zurück.

Welche Möglichkeiten der Katzenunterbringung und Katzenbetreuung  im Urlaub gibt es?

Katzen in den Urlaub mitnehmen

Katzen sind territoriale Tiere. Für Miezen, die gewöhnt sind, mit in die Ferien zu fahren, ist es am angenehmsten an bekannte Orte zu reisen. Ich habe etliche Katzenkunden in meiner Tierberatungspraxis, die mit ihrer Katze seit Jahren immer in das gleiche Ferienappartment fahren.

Katze im Reisebus in Sardinien
© Birga Dexel

 

Birga Dexel’s Clickerbuch für Katzen

Birga Dexel´s Clickertraining für Katzen

Fragen an Birga Dexel zum Thema Spielen mit Katzen

Welches Spielzeug ist sinnvoll?

Indem wir mit unseren Katzen spielen, versuchen wir Jagdsequenzen zu imitieren und so das spielerisch zu fördern, was unsere Katzen alle gemeinsam haben: sie sind Jäger. Von daher ist abhängig von der jeweiligen Präferenz Spielzeug sinnvoll, welches der Größe von Beute entspricht, manche Katzen mögen Spielzeug, welches Geräusche macht, andere Katzen eher nicht. Von Angeln mit Federn oder kleinen Mäusen dran, Reitgerten, etc. über Spielzeug mit Bändchen, etc. sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist, dass die Katze sich daran nicht verletzten oder verschlucken kann.

Ein wichtiger Aspekt ist hierbei die Art und Weise wie gespielt wird. Ein wichtiger Grundsatz ist immer: Gesunde, reizauslösende Beute rennt nicht auf die Katze zu, sondern bewegt sich von der Katze weg. Auf dem Rücken liegen und nach etwas greifen ist nicht Spielen. Und nach dem Spielen muss es einen Jagderfolg geben, sprich irgendwann sollte die „Beute“ von der Katze gefangen werden dürfen. Das gilt vor allem beim Spielen mit Lichtpunkten! Hier bietet sich eine kleine Stoffmaus oder ähnliches an, welche die Katze nach dem Spielen erbeuten darf! Sonst steigt die Frustration und die Katze lässt dies am Menschen oder an ihren Mitkatzen aus. Spielen soll Spaß machen und Energie abbauen.

Und wie viel Spielen ist gut (Stichwort: Reizüberflutung)?

Nach der Spielsession sollte das Spielzeug immer weggeräumt werden. So bleibt es spannend und es baut sich kein Frust auf, wenn sich die „Beute“ gerade noch durch den Raum bewegt hat und plötzlich einfach nur in der Ecke liegt. Der Halter sollte ein geeignetes Maß finden und viele Variationen zur Hand haben. Davon muss er nicht jede täglich anwenden, aber auch Katzen haben Präferenzen, die von Tag zu Tag schwanken können. Es ist gut Abwechslung bieten zu können.

Auf was sollte man generell beim Kauf von Möbeln und Spielzeug achten?

Die Qualität sollte stimmen. Schlecht gefertigtes Spielzeug aus Billigproduktionen geht schneller kaputt und kann beim Zerkauen möglicherweise giftige oder allergieauslösende Substanzen freisetzen. Zudem sollten es nicht aus kleinen verschluckbaren Einzelteilen sein. Das gängige Beuteschema von Katzen sind Mäuse, Vögel und kleine Amphibien. Daran sollte man sich orientieren, sodass das Spielzeug nicht zu groß, zu klein, zu laut, zusammenfassend gesagt aus Katzensicht nicht zu unattraktiv ausfällt.

Woran erkennt man gute Qualität?

Man kann zum Beispiel auf die Verarbeitung achten, darauf, dass natürliche Bestandteile wie Holz und weniger Plastik verarbeitet sind. Gutes Spielzeug muss nicht teuer sein, man kann auch in den eigenen Garten oder in einen Wald rausfahren und sich mit kleinen Ästen, Blättern, Kastanien, etc. eindecken. Alles was natürlich ist und intensiv riecht und richtig in Bewegung gebracht wird, triggert den Jagdtrieb.

Vieles lässt sich somit auch selbst basteln, vor allem Fummelbretter jeder Art können aus vielen Materialen hergestellt werden die Zuhause sowie anfallen, wie aus Küchenrollen, leeren Kartons, etc..