Interview Birga Dexel für das Magazin Büchermenschen

F: Wie würden Sie Ihr Therapiekonzept auf den Punkt bringen?

Birga Dexel: Ich werbe für ein freundschaftliches, gewaltfreies Arbeiten auf Augenhöhe, um den Menschen individuell die Perspektive der Katze zu vermitteln und zeige ihnen innovative, zeitgemäße Lösungen für Katzenprobleme. Ich möchte Katzenhalter  motivieren, sich aktiv mit ihren Katzen auseinanderzusetzen - zeigen, was in Katzen steckt und wozu sie fähig sind. Ich möchte das „Mysterium Katze“ ein wenig lüften.

F: Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit besonders Freude?

Birga Dexel: Ich empfinde es als großes Privileg, dass ich meine Leidenschaft zum Beruf machen konnte. Jeden Tag treffe ich auf die unterschiedlichsten Katzenpersönlichkeiten und ihre Menschen und gewinne faszinierende Einblicke in das Innenleben der Mensch-Katze Beziehung. Das Verhältnis zwischen Halter und Katze wird auf eine harte Probe gestellt, wenn die Katze beispielsweise täglich aufs Sofa uriniert. Viele Menschen wissen sich dann nicht anders zu helfen, als das Tier abzugeben. Deswegen freut es mich besonders, wenn ich helfen kann, dass eine Katze ihr Zuhause nicht verliert und sowohl das Leben des Halters als auch der Katze wieder im Lot ist.

F: Sie betonen, dass nicht nur jedes Tier sondern auch jeder Tierhalter einzigartig ist - deshalb bedarf es immer individueller Lösungen. Wie definieren Sie hier Ihre Rolle als „Mittlerin“?

Birga Dexel: Meine Aufgabe sehe ich darin, meinen Zuschauern, Kunden und Lesern einen wirklichen Perspektivwechsel zu ermöglichen - ich erkläre dem Katzenhalter komplexe Situationen aus Sicht der Katze. Wenn der Mensch die kätzische Logik, die hinter dem Problemverhalten steckt, versteht, ist das meistens schon der erste Schritt zur Lösung. Problematische Situationen können so entschärft und oftmals schon gelöst werden.

F: An Katzenhalter appellieren Sie, sich frühzeitig an Tiertherapeuten zu wenden und nicht abzuwarten, bis sich das Problem manifestiert hat. Warum tun sich gerade Katzenhalter scheinbar so schwer, sich nach Hilfe umzusehen?

Birga Dexel: Dafür gibt es mehrere Gründe: Viele Katzenhaltern wissen nicht, dass es professionelle Hilfe für Verhaltensprobleme bei Katzen gibt. Für Hundehalter ist es normal, einen Trainer bei Problemen aufzusuchen, für Katzenleute ist das noch weitgehend Neuland. Zudem gelten Katzen fälschlicherweise als unerziehbar.

F: Was war der Auslöser, diesen Ratgeber zu schreiben? Worauf kam es Ihnen besonders an?

Birga Dexel: Ich sah bei meiner Arbeit schon früh, wie gravierend Missverständnisse zwischen Mensch und Tier das Miteinander belasten können – wieviel unnötiges Leid durch Nichtwissen verursacht werden kann. Es ist mir eine Herzensangelegenheit, meinen Lesern die Perspektive von Katzen zu verdeutlichen und ihnen innovative, zeitgemäße Lösungen für Katzenprobleme zu zeigen. Ich möchte Katzenhalter motivieren, sich aktiv mit ihren Katzen auseinanderzusetzen - zeigen, was in Katzen steckt und wozu sie fähig sind.

F: Gibt es Konfliktkomplexe, der Ihnen in Ihrer Arbeit besonders oft begegnen? (z.B. Unsauberkeit, Verweigerung oder Aggression).

Birga Dexel: Sehr viele Klienten konsultieren mich, weil die Katze unsauber geworden ist. Genauso häufig sind aber auch Probleme im Mehrkatzenhaushalt. Vielen Lesern ist sicherlich neu: Auch unter Katzen wird gemobbt.

F: Gemäß Studien geht von Katzen eine heilende Wirkung aus, z.B. über den Frequenzbereich ihrer schnurrenden Atmung. Sollten wir einsame, trauernde oder ältere Menschen nicht viel gezielter mit Katzen in Kontakt bringen?

Birga Dexel: Ja unbedingt, ich finde es extrem traurig, dass in vielen Altenheimen Menschen ihre geliebten Katzen nicht mitnehmen könnten und hoffe auf ein Umdenken der Heimleitungen.

F: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Wie sollten wir mit unseren Katzen besser leben?

Birga Dexel: Auf Augenhöhen miteinander respektvoll umgehen. Katzen sind weder Lifestyle-Accessoires noch Wegwerfartikel. Wir sollten sie auch nicht vermenschlichen oder als Projektionsfläche unserer eigenen Bedürfnisse missbrauchen. Gerade Wohnungskatzen müssen wir auch fordern und fördern. Dann haben wir die Möglichkeit wirklich freundschaftlich mit diesen wunderbaren Wesen zusammen zu leben und sehr viel von ihnen lernen zu können. Ich würde gerne ein wenig mit meinem Buch und meiner Sendung dazu beitragen.