• Gaby bringt Cora das erste Mal in die Katzenkita

    © B. Dexel

  • Gaby mit Zypernwildfang Poppy

    © B. Dexel

Gaby Brückner

Cat Institute: Liebe Gabriele, warum hast Du als damalige Vertreterin des Tierheims Falkensee bei Birgas Katzenkita mitgemacht?
Gabriele Brückner:
Zu der Zeit befand ich mich im 2.Ausbildungjahr im Lehrgang „Verhaltensberatung, Verhaltenstraining & Ernährungsberatung für Katzen“ bei Birga Dexel und hatte schon einiges über Entwicklung und Verhalten von Kitten gelernt. Ich wollte sehen, wie sich insbesondere Clickertraining und Vergesellschaftung mit anderen Kätzchen auf die Tierheimkitten auswirkt.
Und ich wollte ein Thema transportieren, das mir als Tierschützerin besonders am Herzen liegt: die Kastration von Katzen mittels Katzenverordnung, so dass Schicksale wie Cindy und Cora in Zukunft vermieden werden.

Cat Institute: Was habt Ihr Euch von der Katzenkita im Tierheim versprochen?
Gabriele Brückner: Wir haben uns eine gute Vorbereitung der Kätzchen auf das Leben mit und in einer Familie vorgestellt.

Cat Institute Warum hast Du Simba und Sally für die Katzenkita ausgewählt? Was genau hast Du Dir an Lernerfahrungen für die beiden gewünscht. Sind Deine Erwartungen erfüllt worden?
Gabriele Brückner: Simba und Sally waren typische Tierheimmaikätzchen. Zusammen mit Mutter Sissy und 2 Geschwistern kamen sie kurz nach der Geburt ins Tierheim und wurden von dem anfänglich sehr zurückhaltenden Muttertier liebevoll aufgezogen. Für die beiden habe ich mir erhofft, dass sie in der Kita behutsam Bekanntschaft mit Geräuschen und Situationen machen, die ein Kätzchen in einem Tierheim nie erfahren wird, z.B. Staubsaugergeräusche, Begegnungen mit Kindern, mit Hunden etc. Meine Erwartungen diesbezüglich wurden mehr als erfüllt, Simba und Sally wurden bestens auf ihr neues Leben „draußen“ vorbereitet.

Cat Institute Cora war extrem scheu anfangs und wurde von ihrem Muttertier Cindy davon abgehalten Kontakt zu Pflegern aufzunehmen. Wie hast Du zwischen den Kitatagen mit Cora gearbeitet mit welchen Ergebnissen? Gab es Rückschritte?
Gabriele Brückner: Bei Cora habe ich mir ihre Verspieltheit und auch Verfressenheit zunutze gemacht. Zwischen den Kitatagen habe ich sie im Tierheim mit der Spiel Angel ausgepowert und fleißig geclickert, so wie Birga es in der Kita geübt hatte. Man konnte förmlich zusehen, wie Cora mit jedem Click ihre Angst verlor und dazulernte. Cindy, das Muttertier hat das aufmerksam beobachtet, schließlich konnte ich so auch diese extrem scheue Katze aus ihrer Höhle locken.
Einen herben Rückschlag gab es, als Cora zum ersten Mal in der Kita übernachten durfte und Muttertier Cindy in dieser Zeit kastriert wurde. Als Cora nach ihrer Übernachtung ins Tierheimzimmer zurückkam, haben die beiden sich nur angefaucht und sind in entgegengesetzte Ecken des Zimmers gegangen. Mit Pheromonspray, Clickern und Spielen konnten die beiden nach ca. 2 Wochen wieder zusammengeführt werden, diese Begegnung hat wieder gezeigt, wie sehr ein Tierarztbesuch sowohl die Patientenkatze als auch die nicht beim Tierarzt gewesene Katze verunsichern kann.

Cat Institute Wie hast du die Entwicklungen der Katzengeschwister Sally und Simba erlebt und wie Cora und ihr Muttertier Cindy?
Gabriele Brückner: Sally und Simba waren von Anfang an sehr aufgeschlossene Kätzchen, die sichtlich Lust auf die Kita hatten. Bei ihnen gab es eine langsame stetige Entwicklung zu mehr Selbstbewusstsein im Umgang mit neuen bzw. fremden Situationen. Diametral entgegengesetzt war dazu die Entwicklung von Cora und Muttertier Cindy. Hier fand förmlich eine exponentielle Entwicklung statt. Nachdem Cora in der Kita gelernt hatte, dass Menschen nicht nur ok, sondern toll sind, gab es kein Halten mehr. Und so hat sie im Tierheim auch Muttertier Cindy mitgerissen, die durch Beobachtung ihrer Tochter gelernt hat, dass Menschen weder ihrem Kind noch ihr selber Böses wollen.

Cat Institute: Wo siehst Du als langjährige Tierschützerin den Nutzen der Katzenkita für Kitten?
Gabriele Brückner: In der Katzenkita können Kitten sich ausprobieren. Sie lernen in einer geschützten Umgebung, mit für sie fremden Situationen umzugehen, und vor allem lernen sie durch Abgucken von anderen Kitten (die nicht ihre Geschwister sind). Wenn so ein kleines Kätzchen erstmal geschafft hat, seine Angst vor dem Unbekannten zu überwinden, ist es umso stolzer auf das Geleistete und das Selbstbewusstsein wächst. Ein schönes Beispiel war das Bällebad. Est wollte kein Kitten so richtig da rein, aber kaum hatte – ich glaube Poppy oder Daisy – sich getraut, wollten auch andere Kitten schauen. Oder der Spaziergang auf dem Seil: wir hatten während des Drehs alle Hände voll zu tun, dass nicht zuviele Kitten sich dort oben entlanghangelten und sich in die Quere kamen. Solche Erfahrungen sind unersetzlich als Vorbereitung auf ein glückliches Katzenleben in einer Familie, und leider ist es in einem Tierheim nicht möglich, den jährlichen Massen an Kitten so viel Anregung zu bieten.

Cat Institute: Du warst an der Vermittlung von Sally und Simba beteiligt und hast den Vorbesuch bei ihrer neuen Halterin Katharina und ihrer Familie gemacht. Nach welchen Kriterien hast Du diese Familie ausgesucht. Warum dachtest Du, dass das gut passen würde?
Gabriele Brückner: Am Erstkontakt mit Katharina war ich nicht beteiligt, hatte aber die Vorkontrolle durchgeführt. Hierbei habe ich sofort gemerkt, dass Katharina und Familie für alle Vorschläge offen sind, die evtl. Veränderungen für die Sicherheit und das Wohlbefinden der Kitten betreffen. Ich fand es wichtig, dass Simba und Sally später die Möglichkeit geboten werden sollte, gesicherten Freigang zu erhalten. Simba und Sally sind ja noch während der Kitazeit aus dem Tierheim ausgezogen und wenn ich die beiden für die Kita abgeholt habe, war es jedes Mal schön zu sehen, wie liebevoll sie verabschiedet wurden. Und beim Nachhause bringen war es umgekehrt immer wundervoll, wie selbstbewusst Simba und Sally aus ihren Transportkörben herauspazierten, selten habe ich so hochgereckte Schwänzchen gesehen.