Katzenschädliche Mythen & Obeah

Religion spielt auf Jamaica eine wichtige Rolle im Leben der Menschen. Die meisten Menschen sind Christen und auch die Glaubensgemeinschaft der Rastafari lehnt sich an den christlichen Glauben an. Die Rastafari-Bewegung entstand in den 1930ziger Jahren und sie sah im ehemaligen äthiopischen Kaiser Haile Selassie den neuen Messias.

Obeahkult existiert neben dem Christentum

Der christliche Glaube ist bei vielen durchwoben mit Vorstellungen und Mythen aus dem Obeahkult. Obeah kommt ursprünglich aus dem westlichen Afrika. Der Begriff ist vom Ashantewort obayi , was soviel wie“ böser Geist“ bedeutet, abgeleitet. Obeah ist mit dem Voodoo auf der Nachbarinsel Haiti sehr verwandt und beinhaltet den Glauben an spirituelle Mächte, die Ereignisse und den Lauf der Dinge beeinflußen können. Obeah wird, obwohl verboten, heute noch praktiziert und findet in allen Gesellschaftsschichten Anhänger und Anhängerinnen. Noch heute werden sich in Jamaika Geschichten von Duppies (Geistern) erzählt, angeblich verfluchte Orte gemieden und alles Unbekannte als gefährlich eingestuft. Obeah und der Geisterkult basieren auf der Annahme, dass jeder Mensch über zwei Seelen verfügt. Eine fährt nach dem Tod auf in den Himmel und die andere verweilt in einer Art Zwischenzustand zwischen Leben und Tod auf der Erde. Diese Seelen können laut dem Glauben von einem Obeahmann dazu gebracht werden, gute wie auch schlechten Dinge den Lebenden zu zufügen.

Mythen machen Katzen das Leben auf der Insel zusätzlich schwer

Die Weitergabe mystischer Geschichten von Generation zu Generation weitergegeben.  beeinflussen auch den Umgang mit den Tieren, insbesondere den mit Katzen. Als Ergebnis mögen viele Jamaikaner und Jamaikanerinnen keine Katzen und fürchten sich teilweise sogar vor ihnen. So wird sich zum Beispiel erzählt, dass Katzen sich zu Babys legen, weil sie das Leben aus ihnen heraussaugen möchten, indem sie ihnen das Blut aus den Adern saugen. Unsere westliche, rationale Erklärung wäre, dass eine Katze gerne dort liegt, wo es warm und kuschelig ist. Doch auf Jamaika wird dieses Gerücht von der Großmutter zur Mutter und zur Tochter weitergegeben. Über Generationen festigt sich so der Aberglaube, dass ein Baby unbedingt von Katzen ferngehalten werden muss. Diese Erzählung gleicht der Geschichte von Ol’Hige, einer blutsaugenden Hexe, die des Nachts aus ihrer Haut schlüpft auf der Suche nach saftig-fleischigen Babies um ihren Blutdurst zu stillen. Ähnlich wie dem Vampirglauben kann sie nur durch das Symbol des Kreuzes in Form eines zu einem Kreuz geformten Messer und Gabels und einer Bibel von ihrem Opfer weggeleitet werden.

Das Image der Katzen prägen solche Geschichten natürlich immens, werden die Tiere ja mit etwas mystischem behaftet oder mit „dem Bösen“ assoziiert, wie es bei uns im Mittelalter auch der Fall war. So erzählte mir eine Angestellte in einem Strandcafe, dass sie auch keine Katzen mögen würde wie viele auf Jamaika, weil diese hinterlistig und durchtrieben wären. Es gäbe in Jamaika den sinngemäßen Ausspruch: „A cat would steal from your pot and put the lid back on“. Frei übersetzt bedeutet dies: Eine Katze klaut etwas aus dem Essenstopf und legt den Deckel danach wieder auf den Topf, um ihre Tat zu kaschieren. Ein 42jähriger Lifeguard am Strand erzählte mir, dass er immer Angst vor Katzen gehabt hätte und sie ihm auch jetzt noch nicht geheuer seien, da man ihm als Kind erzählt hätte, sie würden die Nase im Schlaf abknabbern. Mittlerweile hat er angefangen eine Katze, die ihm optisch gefiel, zu füttern. Bald kamen weitere dazu, aber alle diese Katzen dürfen die Schwelle seines Hauses nicht übertreten. Bei dem Gedanken wäre ihm nicht wohl.

Schwarze Katzen haben es auf Jamaika noch einmal schwerer

Wie in so vielen anderen Ländern haben es schwarze Katzen auf Jamaika noch einmal schwerer als ihre Artgenossen mit anderen Fellfarben. Anscheinend fürchten sich viele vor ihnen besonders und sind fest davon überzeugt, dass sie Unglück bringen.

Richtige Katzenliebhaber findet man selten auf der Insel wie Security Guard Avaletta, die sich sofort bereit erklärte ein junges Kitten, dass alleine auf der Straße vor ihren Tor gefunden hatte, aufzunehmen. Sie erklärte uns, als wolle sie sich entschuldigen, dass sie so verrückt wäre und ihre Katzen sogar bei ihr im Bett schlafen dürfen. Männliche Katzenliebhaber wären sogar noch seltener.