• Agnes Hanning und Birga Dexel planen die Schritte für die jamaikanischen Straßenkatzen

    © B. Dexel

Interview mit Agnes Hanning, Together we care e.V.

Liebe Agnes, Du bist Gründerin und Vereinsvorsitzende von Together we care e.V. Ein Vereinsziel ist es, Hilfsprojekte für Katzen und Hunde auf Jamaika zu unterstützen.

Cat Institute: Was verbindet dich mit Jamaika? Wie bist du auf die Problematik für Katzen auf Jamaika aufmerksam geworden?

Agnes Hanning: Jamaika ist meine zweite Heimat, meine große Liebe! Seit zwanzig Jahren bin ich sehr eng mit der Insel verbunden. Ich habe dort gelebt und gearbeitet. Schon in der Zeit ist mir die große Population der Katzen aufgefallen und ich habe schon damals angefangen Futterstellen um mein Haus herum für die Streuner bereit zu stellen. In kurzer Zeit kamen um die dreißig Katzen täglich- sehr zum Leidwesen meiner Nachbarn, die leider nicht solche Katzenfreunde waren J

Cat Institute: Welchen Stellenwert haben Katzen auf Jamaika, wie leben sie und wie wird mit ihnen umgegangen?

Agnes Hanning: Leider ist der Stellenwert der Katzen nicht besonders hoch. Durch den Blick hinter die Kulissen wurde mir schnell klar, dass sich der Tierschutzgedanke, das Grundwissen über Tiere und der entsprechende Umgang damit, komplett von dem in Europa, besonders in Deutschland unterscheidet. Die Katzen zieht es besonders zu den Hotels, um dort Futter zu finden. In den meisten Fällen werden sie dort nicht gerne gesehen und es wird oft zu drastischen Maßnahmen gegriffen. Vorurteile und wenig Wissen stehen einer Verbesserung im Weg. Katzen sind noch immer die bösen Diebe von Nahrung, das unberechenbare, geheimnisvolle Wesen, das man nicht kontrollieren kann. Alte Mythen, die noch immer von Generation zu Generation weitergegeben werden, machen es leider nicht besser. Trotzdem zeichnet sich inzwischen ein kleiner positiver Wandel ab und die Katzen werden inzwischen auch als Haustiere gehalten.

Cat Institute: Wie entstand die Idee ein größeres Projekt mit so vielen Beteiligten zu starten?

Agnes Hanning: Als Inhaberin und Gründerin von Miez & Maunz, einer Agentur für Katzensitting, arbeite ich jeden Tag mit Katzen, denen es nicht an Liebe, Futter und Fürsorge mangelt. Daraus entstand die Idee, von jeder Buchung bei Miez & Maunz 50 Cent auf ein separates Konto zu überweisen, das dann für Tierschutzprojekte eingesetzt werden sollte. Der Gedanke, das erste Projekt auf Jamaika zu organisieren, war natürlich sehr nahelegend und ich organisierte im März 2019 das erste Kastrationsprojekt auf der Insel. Drei Tierärzte und etliche Helfer widmeten sich eine Woche lang den Straßenkatzen, versorgten Wunden und kastrierten die Tiere.

Es war eine unglaubliche bereichernde Erfahrung und allen Beteiligten war schnell klar, dass das Projekt keine einmalige Sache bleiben sollte und wir gründeten den Tierschutzverein ‚Together we care e.V.‘ um weitere Projekte zu planen.

Cat Institute:Worum geht es bei dem Einsatz auf Jamaika 2022 und wer ist alles dabei?

Agnes Hanning: Es geht bei diesem Projekt darum, das Zusammenleben von Mensch und Katze auf Jamaika nachhaltig zu verbessern – in einem wundervollen Land, in dem es die meisten Katzen nicht so gut erwischt haben, wie unsere geliebten Samtpfoten hierzulande. Und weil der erste wichtige Schritt darin bestehen muss, die Katzenpopulation auf Jamaika einzudämmen, nehmen wir all unsere Erfahrungen aus dem ersten Kastrationsprojekt und stellen im März 2022 ein noch umfangreicheres auf die Beine.

Wir reisen aus Deutschland mit drei Tierärztinnen und 15 helfenden Vereinsmitgliedern von Together we care an. Vor Ort werden wir von der lokalen Tierschutzorganisation J.S.P.C.A unterstützt, die mit zwei Tierärzten und ebenfalls einigen Helfern an den Start geht. Die Unterstützung der RIU Hotels von Ocho Rios und Montego Bay gibt uns bei diesem Vorhaben zusätzlich Rückenwind.

Und worüber wir uns besonders freuen: Birga Dexel und Ihr Team vom Cat Institute ist dieses Mal Teil unseres Projekts und steht uns mit Rat und Tat zur Seite. Von ihrem Erfahrungsschatz werden alle profitieren, die dabei sind - nicht zuletzt auch die jamaikanischen Tierärzte. Sie werden sich mit Birga in einem Webinar über das Verhalten von Katzen austauschen - ein Thema, zu dem Tierärzte auf Jamaika erst in den letzten Jahren immer häufiger um Rat gebeten werden.

Cat Institute: Was wird konkret gemacht?

Agnes Hanning: Vor gut vier Wochen haben ortsansässige Helfer bereits begonnen ausgewählte Futterstellen zu etablieren. Die Katzen suchen diese Plätze inzwischen regelmäßig auf. Sobald das gesamte Team vor Ort ist geht es los: in den Abendstunden werden die Fallen platziert, früh morgens die Fallen kontrolliert und die gefangenen Tiere behandelt. Sie bekommen eine Narkose, werden bei Bedarf erstversorgt, dann kastriert und schließlich an ihrem vertrauten Ort wieder freigelassen, sobald sie sich von der Narkose erholt haben.

Cat Institute: Kann jeder bei so einem Kastrationsprojekt bei Euch mitmachen?

Agnes Hanning: Wir freuen uns immer über freiwillige Helfer. Ein Kastrationsprojekt auf Jamaika ist kein Urlaub und für den eigenen Geldbeutel auch nicht völlig kostenlos, aber es ist eine wunderbare Erfahrung und eine wertvolle Hilfe für die Tiere.

Cat Institute: Wie kann das aktuelle und zukünftige Projekte unterstützt werden?

Agnes Hanning: Wer unsere Projekte gern unterstützen möchte, lässt sich am besten über unsere Social-Media-Kanäle auf dem Laufenden halten. Hier informieren wir regelmäßig über aktuelle Themen und anstehende Projekte. Und was den Erfolg eines Vereins am Ende ausmacht, sind seine Mitglieder. Deshalb freuen wir uns über jedes neue Mitglied, das Tiere liebt und sich für unsere Projekte begeistert.

Liebe Agnes, wir danken Dir für das Interview und wünschen Dir und dem Verein noch viel Kraft und Erfolg für Euren wichtigen Einsatz.