Dino Muster
© B. Dexel

Was sind Dinocats? Wer braucht Dinocats? Wo hört der Spaß auf?

Eine nette Kundin machte uns gerade darauf aufmerksam, Dinocats seien doch ein neuer Katzen-Trend. In der aktuellen Ausgabe des Magazins JETZT der Süddeutsche Zeitung werde ausführlich über dieses Phänomen berichtet.

Katzen wie Dinosaurier zu verkleiden, um zu stylen und ihr Fell zu "bearbeiten" ist ein neuer - unserer Meinung nach teils schon degenerierter - "Trend", der über den großen Teich zu uns herüberschwappt.
In der ersten und vergleichsweise harmloseren Variante werden Katzen in bunte Dinosaurierkostüme gesteckt, abgelichtet und in den einschlägigen sozialen Netzwerken wie Instagram und Facebook von ihren stolzen Haltern der digitalen Öffentlichkeit präsentiert. In der zweiten und dritten - unserer Ansicht nach absolut tierschutzrelevanten Variante - werden Katzen gar teilweise geschoren und ihr Fell in grellen Farben umgefärbt.

Auch wenn die Dinosaurier vor langer Zeit ausgestorben sind und nach wie vor eine große Faszination auf den Menschen ausüben und in Form von Spielzeugen beliebt sind, hört hier aus Katzensicht der Spaß endgültig auf.
Mag ein Stofftier in Form eines Dinosauriers noch süß sein, ist es für Katzen kein Vergnügen in ein plüschtierähnliches Kostüm gesteckt zu werden oder für die Wünsche ihrer Halter gar geschoren zu werden.

Katzen sind kein Spielzeug und keine Puppen; sie sind eigenständige wunderbare Lebewesen mit einem eigenen Willen und eigenen Bedürfnissen. Sie sollten nicht für die grenzwertigen Darstellungsbedürfnisse ihrer Halter herhalten müssen. Wenn man sich auf eine für seine Katze erfüllende Weise mit seinem kätzischen Freund beschäftigen möchte sind Jagd- oder Koordinationsspiele, gemeinsame Unternehmungen, Clickertraining, angenehmer Körperkontakt oder interaktives Spiel die allemal besseren und tiergerechten Alternativen.

Dino-Stofftier
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Katzen sind perfekte Wesen, sie brauchen keine Kostüme
© B. Dexel

Eine Katze sollte nur aus einem wichtigen Grund geschoren werden, nämlich wenn ihr Fell unwiederbringlich verklebt, verfilzt und verknotet ist und sie es daher nicht mehr selbständig pflegen kann, keinesfalls jedoch zum Vergnügen und zur Erheiterung von Menschen. Vielen Katzen insbesondere Langhaar- und Mittellanghaarkatzen ist bereits die regelmäßige Fellpflege wie Bürsten ein absoluter Graus, wenn dies nicht frühzeitig und behutsam im Rahmen einer Desensibilisierung z.B. mittels Clickertrainings geübt und in die gemeinsame Routine integriert wurde. Scheren bedeutet, auch wenn sie den Vorgang kennt, immer STRESS für die Katze und kann zudem oft nur unter Sedierung oder Narkose mit allen Neben- und Nachwirkungen durchgeführt werden. Für Katzen ist dies mit Sicherheit kein Spaß, selbst für die mutigen Naturen unter ihnen. Wir haben es bei der "Dino-Schur" also nicht nur mit einem massiven Vertrauensbruch gegenüber der Katze, sondern auch einen sinnlosen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit des Tieres zu tun.

Es mag zweifellos lustig sein, wenn Menschen sich verkleiden, für die betroffenen Katzen gilt dies nicht.

Fellpflege ist für die Gesundheit und das Wohlergehen von Katzen enorm wichtig. Sie kommunizieren auf eine Weise mittels Gerüchen, die unsere Vorstellung aufgrund unserer im Vergleich begrenzten Sinneswahrnehmung übersteigt. Katzen sind darauf angewiesen, ihren eigenen Geruch und den ihrer vertrauten Menschen- und Katzenfamilie um sich herum haben und zu verteilen. Dies gibt ihnen Sicherheit und Selbstvertrauen. Kommt es in diesem sensiblen Gefüge zu Störungen und Irritationen (etwa durch künstliche Duftstoffe, Ammoniakverbindungen in der Haarfarbe etc.), so bildet dies die Grundlage für medizinische und verhaltenstherapeutisch relevante Probleme. Unsere Analysen der Mimik und Körpersprache etlicher Bilder mit sogenannten Dinocats zeigen meist Angst, Unwohlsein und bestenfalls ein stoisches Über-sich-ergehen-lassen; kein einziges der vorgelegten Bilder zeigt Katzen, die auch nur ansatzweise entspannt aussehen.

Unser Tipp: katzenfreundliche Alternativen sind intuitive Bildbearbeitungssoftwares und entsprechende Apps. Wer unbedingt wissen möchte, wie seine Katze einmal anders aussehen würde, sollte bitte stattdessen zu Maus, Tastatur und Grafiktablett greifen und virtuell optische Veränderungen vornehmen, nicht aber schmerzhafte und traumatisierende reale. .

Liebe Katzenhalter, auch wenn Ihr Euch zu Kreativität, Individualität und Nonkonformismus berufen fühlt, BITTE lebt Euch in jeglicher Euch und Euren Körper höchstpersönlich betreffender Art und Weise aus: Drückt Euch künstlerisch aus, modifiziert, tätowiert, formt, pierct, brandet, dehnt und modelliert Eure eigenen Körper wie es Euch gefällt, experimentiert mit Eurer Körperbehaarung, findet Verwirklichung in einem einzigartigen Kleidungs- und Lebensstil - Ihr habt jedes Recht dazu. Für den Menschen gilt: Chacun à son goût (Jedem Tierchen sein Plaisierchen), aber lasst doch BITTE Eure Katzen und andere Lebewesen, die Euch vertrauen und für deren Wohl und Wehe Ihr die Verantwortung übernommen habt, bei diesen Experimenten aus dem Spiel.

Katzen sind von der Natur aus mit einem perfekten Arsenal an Supersinnen, einem einzigartigen und wunderschönen - gegen Kälte und Wärme gleichermaßen isolierenden Fell und mit den effizienten Werkzeugen eines Beutegreifers ausgestattet. Und das nicht ohne Grund. Der Mensch sollte der Natur nicht in Handwerk pfuschen. Auch Katzen haben ein Anrecht auf Würde und unseren Respekt; ihr Vertrauen oder ihre Hilflosigkeit dürfen wir niemals mißbrauchen.