• Ein ggf. an Vogelgrippe verendeter Wasservogel

    © B. Dexel

  • Hunde in Wasservogelgebieten immer an der Leine führen

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  • Hunde werden nur extrem selten mit Vogelgrippeviren infiziert

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  • apathische Eiderente zeigt Vogelgrippesymptome

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Vogelgrippe und Katzen

Die Vogelgrippe wütet laut dem bundeseigenen Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) so stark wie noch nie in diesem Winter in Europa.  In Deutschland sind vor allem die norddeutschen Küstenregionen in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und insbesondere Schleswig-Holstein betroffen. Laut dem FLI wurden im Zeitraum von Oktober bis Ende Dezember 2021 394 Infektionen von Wildvögeln mit dem Vogelgrippeerreger dokumentiert. Betroffen sind Exemplare wildlebender Arten von Wildenten, Wildgänsen, Schwänen sowie Möwen. Neben Wildvögeln sind auch Geflügelfarmen gefährdet. Aufgrund den oft katastrophalen Haltungsbedingungen in den industriellen Geflügelfarmen sind Ausbrüche dort besonders verheerend. Zudem werden in Gebieten mit nachgewiesener Vogelgrippe oft vorsorglich tausende Vögel in der industriellen Nutztierhaltung getötet. Neben Deutschland sind fast alle europäischen Länder inklusive der im Atlantik und zu Dänemark gehörenden Faröer Inseln und Russland betroffen.

Auslöser der Vogelinfluenza

Ausgelöst wird die aviäre Influenza durch Influenenza A-Viren, die ihre natürlichen Reservoirwirte in wilden Wasservogelarten haben. Eine Infektion verläuft bei den betroffenen Vögel in der Regel  symptomlos. Die betroffenen Tiere scheiden aber hohe Virusmengen mit dem Kot aus. Es gibt verschiedene Subtypen des Vogelgrippeerregers (H1-16 in Kombination mit N1-9). Diese können niedrigpathogen oder auch hochpathogen auftreten. Auch in diesem Jahr dominiert der Subtyp H5N1. Der Subtyp H5N8 kommt laut offiziellen Angaben nur in geringem Ausmaß vor. Beide Subtypen können insbesondere bei Nutzgeflügel zu schweren Verlusten führen, da viele der infizierten Tiere verenden. Befiel H5N1 früher nur Hühner und Puten, sind die neuen asiatischen Varianten jetzt auch für willdebende Wasservögel wie Enten, Gänse und Schwäne gefährlich. Dieses hochpathogene Influenza-A-Virus vom Subtyp H5N1 wurde erstmals 1996 in Asien bei Gänsen im Labor isoliert. Singvögel sind laut dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) weltweit bisher kaum betroffen. Der NABU sieht als Ursache für das Auftreten hochpathogener Subtypen kommerzielle Geflügelbetriebe, von denen aus die Viren in die Wildvogelpopulation eingetragen werden sollen und nicht umgekehrt. Der Verband fordert daher die zuständigen Behörden auf nach dem Ursprung der Viren in der Geflügelwirtschaft zu suchen und diese auszuschalten.

Ist die Vogelgrippe eine Gefahr für Katzen und Hunde?

Vogelgrippe und Hunde

Laut derzeitigem Stand sind Hunde nicht sehr stark durch eine Ansteckung mit dem Vogelgrippeerreger gefährdet. Bei experimentiellen Infektionen von Hunden zeigten diese nur milde Symptome. Eine Gefährdung für Menschen könnte durch Hunde ausgehen, die an Vogelgrippe verendete Vögel apportieren oder die Erreger durch ihr Fell und Pfoten verbreiten. Auch sollte das Fressen von Aas durch den Hundehalter unterbunden werden. Deswegen sollten Hundehalter ihre Hunde in Gebieten mit Vogelgrippenausbrüchen an der Leine führen.

Können Katzen sich mit der Vogelgrippe anstecken?

Bei Katzen sieht die Situation in Bezug auf eine Gefährdung durch Vogelgrippeviren anders aus. Generell scheinen Katzen für Influenzaviren empfänglicher zu sein als Hunde, sowohl wildlebende Felidenarten als auch Hauskatzen. Sie alle können durch die Infektion schwer erkranken und sogar daran versterben. Erste Berichte stammen aus den frühen 2000er Jahren aus Asien. In Zoos hatten sich nachweislich Tiger, Leoparden und Nebelparder angesteckt und waren verstorben, nachdem ihnen mit dem H5N1-Virus infiziertes Vogelfleisch verfüttert worden war. 2004 verstarben 45 Tiger im thailändischen im Sriracha Tiger Zoo nach einer HPAIV H5N1 Infektion. 79 der erkrankten Tiger wurden aufgrund schwerer neurologischer Symptome oder zur Verhinderung einer weiteren Ausbreitung eingeschläfert. Die Tierpfleger, die engen Kontakt mit den infizierten Tigern hatten, zeigten trotz gebildeter Antikörper keine Symptome.  Im selben Jahr verstarb eine mit demselben Subtyp infizierte Katze in Thailand an hohem Fieber, Atemnot, Krämpfen und Ataxie. Des weiteren verstarben 14 von 15 Katzen in einem thailändischen Haushalt. In Deutschland verstarben 2 Jahre später, 2006, drei vom FLI untersuchte Hauskatzen auf der Ostseeinsel Rügen an einer H5N1 Infektion.

Katzen können sich zum einen durch den direkten Kontakt mit infizierten Vögeln anstecken, zum anderen kann das Virus kann auch horizontal von Katze zu Katze übertragen werden wie in einem New Yorker Tierheim 2016 geschehen. Infizierte Katzen können laut Untersuchungen das Virus über den Respirationstrakt, den Gastrointestinaltrakt und den Harntrakt ausscheiden. Wieviel Virusmaterial dabei ausgeschiedenen wird ist laut der Tierärztin Marschall anhängig von der Infektionsdosis.

Übertragung des Virus auf Katzen durch infizierte Vögel

Katzen können sich mit dem Vogelgrippeerreger anstecken, wenn sie infizierte Vogel erlegen und fressen, mit infiziertem Geflügelfleisch gefüttert werden oder mit dem Vogelkot in Kontakt kommen oder diesen fressen würden.  Das Virus kommt konzentriert sowohl in den Atemwegssekreten infizierter Vögel als auch im Kot vor. Da Katzen im Gegensatz zu Hunden am Kot von Beutetieren kein Interesse haben, ist eine Infektion über erlegte kranke Vögel oder der Verzehr von infiziertem Geflügelfleisch am wahrscheinlichsten. Erst ab einer Kochtemperatur von 70 Grad wird das Virus abgetötet.

Symptome einer mit der Vogelgrippe infizierten Katze

Nicht alle Infektionen mit HPAIV H5N1 führen zwangsweise zu einer Erkrankung; auch subklinische Infektionen, sprich solche mit nur geringen erkennbaren Krankheitszeichen,  sind in der veterinärwissenschaftlichen Literatur beschrieben. Die Inkubationszeit des Virus liegt zwischen einem und fünf Tagen. Die Schwere der klinischen Symptome korreliert mit der Viruslast: eine hohe Infektionsdosis führte in Tierversuchen durch gezielte Infektionen von Katzen mit H5NI-Viren auch zu schweren Erkrankungen. Eine niedrige Viruslast führte zu asymptomatischen Infektionen.

  • respiratorische Symptome. Atemprobleme (Dyspnoe), Maulatmung
  • Fieber
  • Abgeschlagenheit
  • Vorfall der Nickhaut (dritte Augenlid) und Konjunktivitis (Bindehautentzündung)
  • Neurologischen Symptome (Krämpfe, Ataxie)
  • Im Gegensatz zu mit H5N1- infiziertem Geflügel und humanen H5N1-Infektionen zeigen Katzen keinen Durchfall (Diarrhöe)

Bis dato sind keine Ansteckung von Menschen durch infizierte Katzen bekanntermaßen aufgetreten.  Als Vorsichtsmaßnahme empfiehlt das FLI im sehr unwahrscheinlichen Fall einer Infektion der Katze mit Vogelgrippe Abstand zu halten und Hygienemassnahmen einzuhalten.

Vorsichtsmassnahmen für Katzenhalter in Vogelgrippegebieten

Betroffen sind vor allem freilaufende Katzen. Tierärzte empfehlen deswegen solange der Virus zirkuliert Katzen keinen unkontrollierten Freigang zu gewähren. Dieser sicherlich aus infektionssicht sinnvoller Ratschlag ist in der Praxis für Katzenhalter allerdings schwer umsetzbar, da für Freigängerkatzen das Unterbinden der Patrolliengänge im Revier immer mit Stress verbunden ist. Einige Katzen reagieren in solchen Fällen mit Verhaltensproblemen wie Unsauberkeit oder Harnmarkieren. Eine Alternative könnte für betroffene Katzen der kontrollierte Freigang an der Leine im heimischen Garten sein. Vorraussetzung dafür ist, dass die Katze an ein Geschirr/Walking Jacket und den Leinengang gewöhnt ist. Geschirrtraining und Leinengang erfolgt bei Katzen mit dem Clickertraining.

Alternative: Leinengang mit Katzen. Siehe hierzu unseren Blogbeitrag.

Keine Federn verendeter Vögel für die Katze zum Spielen verwenden.

Nach einem Spaziergang in betroffenen Gebieten Schuhsohlen vorsichtshalber vor der Wohnung desinfizieren.

Können sich Menschen mit dem Vogelgrippevirus anstecken?

Obwohl sich laut dem RKI sich auch Menschen mit Vogelinfluenzaviren anstecken können, ist die Übertragung nicht besonders infektiös. In Deutschland ist bis dato kein Mensch bekanntermaßen an der Vogelgrippe erkrankt. Wenn in Einzelfällen eine solche Übertragung vom Vogel auf den Menschen aber stattgefunden hat, kann diese aber zu schweren Erkrankungen an der Vogelgrippe führen. Diese traten in Ländern Asiens, Afrikas und im Nahen Osten auf.

Quellen

Friedrich-Löffler-Institut (FLI): Aviäre Influenza (AI) / Geflügelpest. Risikoeinschätzung, 26.10.2021. Abruf. 10.1.2022

Fox, Maggy (16.12.2016): Flu Infects Cats in New York Animal Shelter.  NBC-News. https://www.nbcnews.com/health/health-news/bird-flu-infects-cats-new-york-animal-shelter-n697026.Abruf.10.1.2022

Marschall, Julia Christina (2008): Untersuchungen zum Vorkommen aviärer Influenza-A-Viren bei Freiläuferkatzen in Gebieten mit Auftreten hochpathogener aviärer Influenza A H5N1 bei Wildvögeln. Dissertation. Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München

Naturschutzbund Deutschland (NABU): Winterfütterung und Vogelgrippe. Abruf.10.1.2022

Naturschutzbund Deutschland (NABU) 10.11.2016: Vogelgrippe H5N8 wieder in Deutschland. Geflügelpest gefährdet auch Wildvögel. Abruf. 10.1.2022.

Robert-Koch-Institut (RKI):  Zoonotische Influenza - Antworten des Robert Koch-Instituts auf häufig gestellte Fragen zur zoonotischen Influenza.  www.rki.de. Stand: 24.5.2018. Abruf. 10.1.2022

Robert-Koch-Institut (RKI) 24.5.2018: Das RKI zu humanen Erkrankungsfällen mit aviärer Influenza A(H7N9). Abruf. 10.1.2022

Scinexx.de (1. 3.2006): Vogelgrippe: Erste Katze infiziert. H5N1 springt auf Säugetier über. https://www.scinexx.de/news/medizin/vogelgrippe-erste-katze-infiziert/ Abruf. 10.1.2022.