• Kater Hamlet schnuppert am ungiftigen Krempling im Garten

    © B. Dexel

  • Krempling: ungenießbarer, ungiftiger Pilz

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  • giftiger Pilz im heimischen Garten

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Pilze:eine Gefahr für Katzen?

Wildwachsende Pilze, eine Gefahr für Katzen?

Freilandpilze für Mensch und Katze

Der September und Oktober bis zum Einsetzen der ersten Nachtfröste sind die Zeit der Pilze und Pilzsammler.  In einer scheinbar unzähligen Vielfalt wachsen Röhrenpilze - wie beispielsweise Steinpilze, Maronenröhrlinge, Birkenpilze, Rotfüßchen, Hexenröhrlinge und Satansröhrlinge -  und Lamellenpilze - wie Champignons, Pfifferlinge, Schirmpilze, Seitlinge, Täuplinge, Kremplinge, Fliegenpilze und Knollenblätterpilze - in unseren heimischen Wäldern, an Waldsäumen und in Wiesen. Katzen entdecken Pilze beim täglichen Freigang auch im heimischen Garten und Katzenfreunde fragen sich, ob wildwachsende Pilze eine Gefahr für Freigängerkatzen sein können. Katzen sind zwar Beutegreifer und in der Regel an sich bewegender Beute interessiert.

Besonders neugierige Exemplare können versucht sein, die plötzlich im Revier sprießenden seltsam aussehenden Pflanzen, näher zu untersuchen und ggf. auch mal reinzubeißen. Zudem können Katzen ein auf einem Pilz sitzendes Insekt versuchen zu erhaschen und dabei ein Stück Pilz mit erwischen.  Eine spielende, haschende (Jung)Katze unterscheidet zudem nicht zwischen zwischen Speise- und Giftpilz.

Bei verspielen Jungkatzen, die uneingeschränkten Freigang genießen und in der Nähe von Wald- und Wiesenflächen wohnen, sollte in der Pilzsaison besondere Obacht gelten. Pilze im Garten können abgesammelt werden, bevor die Katze(n) diese in die Pfoten bekommen.

Wie realistisch ist eine Pilzvergiftung bei Katzen?

Pilzvergiftungen sind bei Katzen aber eher eine seltene Ausnahme; Hunde sind weitaus gefährdeter sich durch Wildwachsende Pilze zu vergiften. Reagieren Sie als Katzenhalter bei erhöhtem Speicheln, Erbrechen oder Durchfall sofort. Zur Sicherheit ist es besser, keine (Speise)Pilze in die Reichweite von Katzen zu bringen beziehungsweise Katzen nicht unbeobachtet mit ihnen zurückzulassen.

Pilze: Pflanzen oder Tiere?

Pilze (Funghi) wurden früher dem Pflanzenreich zugeordnet, in der heutigen Einordnung bilden sie ein eigenes Reich und sind näher mit Tieren verwandt als mit Pflanzen.

Mögen Katzen Pilze?

Katzen sind als echte Carnivore auf eine nahezu ausschließlich fleischliche Ernährung angewiesen. Sie verfügen zudem als reine Fleischfresser über keine Geschmacksknospen, die die Wahrnehmung von süßen Geschmäckern möglich machen. „Umami“ - gleichbedeutend mit Proteinen und Fleisch - können Katzen hingegen hervorragend wahrnehmen. In Pilzen sind reichlich Proteine enthalten, weshalb sie für Katzen durchaus interessant sein und schmecken können. So wurde uns von Kunden immer wieder mal berichtet, dass ihre Katzen Interesse an gekochten Pilzgerichten oder gar vorgekochten Champignons aus der Dose oder dem Glas gezeigt haben sollen. Wir lieben Pilze und kochen für uns viel mit frischen oder getrockneten Pilzen, keine unserer Katzen hat aber jemals Interesse daran gezeigt.

Auch wenn eine Katze ggf. Speisepilze mögen sollte, bedeutet dies jedoch nicht, dass Pilze ernährungsphysiologisch sinnvoll für Katzen sind. Zudem gibt es Hinweise dafür, dass auch für den Menschen bekömmliche Speisepilze für Katzen zum Problem werden können.

Was ist mit den in unseren Küchen häufig verwendeten Champignons?

Champignons sind nicht giftig für Katzen, jedoch wie auch alle anderen essbaren Pilze auch schwer bekömmlich sprich verdaulich, besonders im rohen Zustand. Vorübergehende Verdauungsstörungen wie breiiger Stuhl oder Durchfall können die Folge sein.

Das Sammeln und Verarbeiten von Pilzen sollten für den menschlichen Verzehr vorbehalten sein, trotzdem ist es gut sich mit einzelnen Pilzen und ihren potentiellen Gefährdungen auch für Katzen vertraut zu machen.  

Speisepilze von Giftpilzen unterscheiden

Pilzsammler und Feinschmecker sind gut beraten, sich beim Sammeln auf Pilzarten zu beschränken, die sie absolut sicher und zweifelsfrei bestimmen können und im Zweifel die Meinung eines Pilzverständigen einzuholen. Apps haben sich entgegen der landläufigen Meinung als nicht verlässlich herausgestellt.

Von 5200 Pilzarten gelten zwischen 300 bis 1000 Pilzen verträglich, aber nicht unbedingt schmackhaft.20 der Großpilze gelten als so giftig, dass ihr Verzehr tödlich enden kann. 200 Pilzarten sind nur leicht giftig und ihr Verzehr führt zu gastro-intestinalen Beschwerden.  Hier geht es zur Liste giftiger Pilze.

Vorsicht Verwechslungsgefahr

Allein die Tatsache, dass ein Pilz einen Schwamm hat, ist kein sicheres Indiz dafür, dass er essbar ist. Der Satansröhrling beispielsweise kann schnell mit anderen, essbaren Röhrlingen verwechselt werden, ist aber giftig.

Mykologen berichten, dass die Verwechslungsgefahr die größte Schwierigkeit beim sicheren Pilzsammeln darstellt. So haben viele essbare Pilze einen giftigen Doppelgänger, der ihnen täuschend ähnlich sieht und manchmal auch von Experten nicht sofort erkannt werden. Viele Pilzvergiftungen treten als Folge von solchen Verwechselungen auf. Unter den Lamellenpilzen finden sich eine Vielzahl wertvoller, schmackhafter Speisepilze, mit dem Knollenblätterpilz aber auch der giftigste Vertreter an Freilandpilzen unserer Breiten. In klassischen Giftpilzen, wie allen Knollenblätterpilzen, wirken Zellgifte, die den Magen-Darm-Trakt angreifen und stark leberschädigend sind. Die Blutgerinnung und die Nierenfunktion werden beeinträchtigt.
Die Symptome treten nach dem Verzehr mit einer Verzögerung auf und werden häufig zunächst mit einem Magen-Darm-Infekt verwechselt. Ist die Vergiftung erst im Gange ist sie nicht reversibel oder aufzuhalten und der Tod tritt in der Regel 6 bis 14 Tage nach der Knollenblätterpilzvergiftung auf.

Der Wiesenchampignon beispielsweise sieht dem giftigen Knollenblätterpilz extrem ähnlich. Gerade bei jungen Pilzen ist die Verwechslungsgefahr besonders groß, deswegen sollte man vom Sammeln junger Champignons absehen. So sollen fast ein Drittel der Vergiftungen mit Knollenblätterpilze tödlich enden und für mehr als 90 Prozent der Todesfälle aufgrund von Pilzvergiftungen verantwortlich sein. So reichen schon 35g des grünen Knollenblätterpilz (A. phalloides), weniger als ein Pilz, um einen adulten Menschen zu töten. Die Fruchtkörper der Knollenblätterpilze zeigen sich hauptsächlich von Juli bis Oktober in Wäldern, aber auch in Parkanlagen und Friedhofsgärten. Letzteres werden gerne auch von Streunerkatzen aufgesucht. Der Pilz ist auch für unsere Katzen und Hunde hochgradig giftig.

Mykologen berichten zudem, dass es immer mehr neue giftige Pilzarten angesiedelt haben, die heimischen Speisepilzen zum verwechseln ähnlich sehen. Grund dafür ist der Klimawandel, der auch bei den für das Ökosystem Wald so wichtige Pilzen Veränderungen in der Artenvielfalt bewirkt.

Viele auch essbare Speisepilze enthalten hitzelabile Giftstoffe wie Hämolysine, die Schaden anrichten können, wenn die Pilze roh verzehrt werden. Deswegen sollten Pilze vor dem Verzehr erhitzt werden durch Braten und Kochen. Nur so können etwaige Vergiftungen auch bei essbaren Pilzen oder Verdauungsbeschwerden vermieden werden. Generell sollten alle Pilze - mit Ausnahme von Kulturchampignons aus biologischem Anbau in Rohkostsalaten aus Gründen der Bekömmlichkeit ausschließlich gegart verzehrt werden.

Viele der Vergiftungen beim Menschen sind auf verdorbene Pilze zurückzuführen. Dies gilt für gesammelte Pilze, die  schon beim Sammeln faul sind, falsch transportiert worden sind falsch gelagert wurden. Pilze nicht in Plastiktüten sammeln oder lagern, sondern immer in offenen Körben. Wenn Pilze schon weich oder matschig sind gehören in den Mülleimer: die Kombination aus zersetzten Pilzproteinen, Bakterien und Schimmelsporen kann u.a. Durchfall, Fieber und Übelkeit auslösen.

Gefahr durch verdorbene Pilze

Generell verderben Pilze sehr schnell und sollten innerhalb eines Tages nach Sammlung oder Erwerb verarbeitet und gegessen werden. Sie sind damit ähnlich schnell verderblich wie Hackfleisch oder Fisch.

Vergiftungen durch verdorbene Pilze sind bei Katzen ausgeschlossen. Katzen fressen freiwillig, außer in extremer Not, keine verdorbenen Lebensmittel. Sie haben ein ausgesprochen gutes Riechvermögen und nehmen vor dem Verzehr immer eine gute Nase voll des Geruchs des Fressens auf.

Tipp: Pilzsachverständige der Deutsche Gesellschaft für Mykologie überpüfen gesammelte Pilze. Informationen zu Pilzexperten in der Nähe findet man auf der Webseite der Mykologiegesellschaft.

weitere Informationen zu Pilzen:

Auflistung giftiger Pilze

Gefahr für Pilzsucher: sehr ähnlich aussehende Pilze. Giftige Pilzdoppelgänger

Quellen:

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