• Katze döst genussvoll in der Sonne

    © B. Dexel

  • Katze mit frisch operierten und entfernten Hauttkrebs

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  • Katzeninsel Zypern: Der Fels der Aphrodite

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  • Kein Eis für Katzen

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  • Katzen mit hellem Fell können einen Sonnenbrand bekommen

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Gefahren für Katzen im Sommer

Katzen und Sommerhitze

In Deutschland wird es immer heißer

Hoch Yona ist im Anmarsch und in Deutschland werden noch vor dem Sommeranfang Temperaturen von 35 Grad und mehr erwartet. Und auch im Rest des Sommers könnte uns erneut Rekordhitze ins Haus stehen.Temperaturen über 40 Grad sind nicht länger nur am Mittelmeer möglich, sondern auch in unseren Breitengraden. Was für viele Menschen gesundheitlich gefährlich sein kann, kann auch unseren Katzen zusetzen. Auch wenn Katzen naturgemäß die Sonne lieben und regelrecht suchen, kann enorme Hitze auch unseren Samtpfoten schaden. Der Klimawandel ist in vollem Gange und die Sommer werden immer trockener und heißer. So war das vergangene Jahr nicht nur viel zu trocken, sondern vor allem auch überdurchschnittlich sonnig und warm. Mit einer Durchschnittstemperatur von 10,4 Grad gehörte 2020 zu den zwei wärmsten Jahren seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Nur 2018 war es mit 10,5 Grad wärmer in Deutschland. Die jemals gemessene höchste Sommertemperatur bis dato betrug am 25. 7. 2019 41,2 Grad Celsius in Duisburg (Nordrhein-Westfalen).

Hitze setzt auch Katzen zu: Haltungsbedingungen im Sommer anpassen

Die Entwicklung wird sich laut Prognosen aller Klimawissenschaftler weiter in Richtung Erwärmung und Erhitzung verschieben, so dass auch Katzenfreunde und Katzenfreundinnen sich mit den Auswirkungen von Hitze und zu viel Sonneneinstrahlung auf ihre Tiere beschäftigen müssen. Dies bedeutet auch die Haltungsbedingungen sinnvollerweise im Sommer an die neuen Klimabedingungen anzupassen und zu optimieren. In unserer Online Akademie „Zeit für Katzen“ haben wir ein Onlineseminar zum Thema Katzen im Sommer konzipiert. Das Liveseminar mit interaktiver Fragestunde wird am 15.06.2021 um 19 Uhr stattfinden.

Sonnenbrand und Hautkrebs bei Katzen

Hitze und ein Zuviel an Sonnenstrahlung birgt für Katzen wie für Menschen auch gesundheitliche Gefahren. Vielen ist nicht bekannt, dass insbesondere Katzen mit hellen Fellfarben und/oder einem hellen, unpigmentierten Nasenspiegel und -rücken, hellen Ohren sowie Nackthaarkatzen einen schmerzhaften und gefährlichen Sonnenbrand bekommen können. Zuviel davon kann auch zur Entstehung von felinem Hautkrebs führen, der bei Katzen zu den häufigsten Krebserkrankungen gehört. Durch ultraviolette Sonneneinstrahlung bedingte Plattenepithelkarzinome machen laut der Tierklinik Hoffenheim bei Katzen in unseren Breitengraden etwa 7-10% der Hauttumore aus. Betroffene Tiere sind durchschnittlich 9-11 Jahre alt.

Bei meinen Katzenschutzaktivitäten in Zypern bin ich immer wieder erschreckt, wie viele Katzen mit Hauttumoren befallen zu sein scheinen. Die im östlichen Mittelmeer gelegene Katzeninsel Zypern gehört mit 340 Sonnentagen im Jahr zur sonnenreichsten Region in Europa. Je mehr Menschen wie Katzen der Sonne ausgesetzt sind, desto höher ist ihre Anfälligkeit für solar-induzierte Erkrankungen. Hautkrebs ist nicht einfach zu erkennen, denn es kann sich für den Betrachter zunächst als schlecht verheilende Wunde handeln. Besonders Freigängerkater verwickeln sich gelegentlich auch mal in Kämpfe mit Artgenossen, sodass viele Halter die Wunde zunächst einer Kampfverletzung zuschreiben. Jede Wunde sollte aber von Haltern immer im Auge behalten werden, heilt sie nach einigen Tagen nicht von selbst ab, sollte das Tier einem Veterinär vorgestellt werden. Dies gilt auch für Risse an der Nase, den Augenlidern und den Ohren, diese können laut Tierärzten auch auf Plattenepithel-Karzinome hinweisen. Je früher die Krebserkrankung z.B. durch eine Feinnadelaspirationsbiopsie der betroffenen Stelle erkannt wird, umso besser sind die Behandlungschancen der Katze. Da Krebs leider auch bei unseren Katzen eine immer größere Rolle spielt und laut dem US-amerikanischen Veterinäronkologen Dr. Michael Lucroy 50% aller Katzen über 10 Jahre betrifft, ist es sinnvoll das Tier von einem Kleintieronkologen behandeln zu lassen. Die Behandlung selbst ist abhängig von der Hautkrebs-Art (Fibrosarkom, malignes Melanom, Plattenepithel-Karzinom).

Wie kann man einen Sonnenbrand bei Katzen verhindern?

Weiße Katzen und solche mit heller Fellfarbe, Katzen mit hellen Nasenspiegel sowie Syhinxkatzen (Nackthaarkatzen) sollten bei starken Sonneneinstrahlung im Haus bleiben. Mit speziellen Sonnencremes für Katzen kann man insbesondere die felllosen Stellen einreiben, wenn die Katze sich draußen an sonnigen Tagen aufhält.

Überhitzung und Hitzschlag bei Katzen

Katzen können bei großer Wärme wie auch Hunde überhitzen und aufgrund von starker Überhitzung einen Hitzschlag bekommen. Besonders anfällig sind Langhaarkatzen mit dichter Unterwolle sowie Katzen mit einem verkürzten Nasenstop, einer brachycephalen Kopfform und daraus resultierenden Atemproblemen wie es oft bei Perserkatzen der Fall ist.

Katzen sollten bei Hitze keinen weiteren Stressfaktoren ausgesetzt werden, denn die Kombination von äußerem und inneren Stress kann an heißen Tagen besonders gefährlich sein. Viele Katzen haben Angst vor dem Transportkorb und dem Tierarzt; an heißen Tagen, vor allem wenn man noch kein Transportkorbtraining mit seiner Katze praktiziert, sollten nur im Notfall Tierarzttermine vereinbart werden. Wenn man in Urlaub fährt und seine Katze in eine auswärtige Betreuung gibt sollte die Anreise möglichst noch in den kühleren Morgen- oder Abendstunden stattfinden. In unseren Clickerbuch beschreiben wir ausführlich wie Katzen stressfrei mit dem Clicker ihre Angst vor dem Transportkorb und dem Transport verlieren können.

Woran merken Katzenhalter/innen, dass ihre Katze überhitzt ist oder gar einen Hitzschlag haben könnte?

Mögliche Symptome und Veränderungen, die auftreten können.

  • Verhalten: übermäßiges Putzen
  • Aktivität: unruhig, Katze sucht einen kühleren Platz. Schafft es die Katze nicht von selbst abzukühlen kann sie als Folge apathisch werden.
  • Atmung: Katze atmet über das geöffnete Maul, was eine unnatürliche Art ist für Katzen zu atmen. Als Steigerung kann auch Hecheln zu sehen sein, was Katzen im Gegensatz zu Hunden nur in extremen Stresssituationen oder bei gesundheitlichen Problemen tun
  • Maul: Katze hat eine veränderte Zungen- und Zahnfleischfarbe: Zunge ist sehr rot und das Zahnfleisch sehr rot oder sehr blass.
  • Motorik: Die Katze ist schlaff und läuft unsicher, wackelig
  • Gastro-Intestinal: Erbrechen oder Durchfall
  • Temperatur: erhöhte Temperatur. Die normale Körpertemperatur bei der Katze ist höher als bei Menschen.
  • Die Katze zeigt schwere Symptome wie Schock oder Koma.

Was tun bei Überhitzung oder vermutetem Hitzschlag

Wenn die Katze Symptome von Überhitzung zeigt sollte sofort ein Tierarzt kontaktiert werden oder auch die mobile Tierrettung gerufen werden.

Keine kalten Duschen für Katzen

Tierärzte empfehlen die Katze bis zum Eintreffen eines Veterinärs sanft runter zu kühlen. Dafür die Katze an einen kühlen (nicht kalten) Ort bringen und ihr ausreichend Trinkwasser anbieten. Mit einem feuchten, gut ausgewrungenen Waschlappen die Katze sanft vom Kopf bis zum Schwanz immer wieder abreiben. Eine weitere Möglichkeit ist es die Katze in einem befeuchteten Baumwolltuch sanft einzuwickeln.

(Kein) Eis für Katzen

Im Internet findet man immer wieder Empfehlungen und Rezepte für Katzeneis aus Thunfisch oder ähnlichem. Was sich gut und logisch anhört ist auf den zweiten Blick aber nicht so sinnvoll. Katzen fressen naturgemäß keine eisgekühlten Lebensmittel und es können Magen-Darm-Probleme dadurch entstehen.

Eis nur für Menschen

Auch ist das Schlecken von menschlichem Speiseeis keine Alternative für Katzen. Speiseeis basiert auf Milchprodukten, die Katzen in der Regel nicht vertragen und ist zudem häufig versetzt mit vielen für Katzen bedenklichen Inhalts- und Zusatzstoffen wie Zucker, Schokolade und vielen anderen. Hier geht es zu bedenklichen oder giftigen Nahrungsmitteln für Katzen.

Quellen:

Dexel, Birga (2015): Birga Dexel’s Clickertraining für Katzen. Stuttgart.

Gustafson, Kelsey (5.2.2021): How immunotherapy is changing the face of veterinary cancer treatment. Episode 40. https://www.dvm360.com/view/episode-40-how-immunotherapy-is-changing-the-face-of-veterinary-cancer-treatment

Justus-Liebig-Universität Gießen (o.J.): Brachycephalie bei der Perserkatze. https://www.uni-giessen.de/fbz/fb10/institute_klinikum/klinikum/kleintierklinik/Chirurgie/neurologie/Forschung/brachycephalie

Kisters, Sebastian (30.12.2020 11:55 Uhr): 2020 war zweitwärmstes Jahr. Hessischer Rundfunk (HR) In Tagesschau. https://www.tagesschau.de/inland/wetterbilanz-2020-101.html

Moritz A: Problemorientierte Diagnostik. In: Kessler M. (Hrsg.) Kleintieronkologie, 3. Aufl., Enke, 34, 2013

Statistika (Juli 2019): Höchste je gemessene Temperaturen (in °C) in ausgewählten Orten in Deutschland. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/13066/umfrage/hoechsttemperaturen-in-ausgewaehlten-orten-deutschlands/

Tierklinik Hofenheim (o.J).: Katzenspezifische Tumorerkrankungen: aktueller Stand in Diagnostik und Therapie.

Tierklinik.de: Die Sphynx-Katze. https://www.tierklinik.de/tier-abc/katze/sphynx-katze

https://www.immune-therapy.vet/de/katzen/krebs/hautkrebs-am-ohr

Wiebogen, Thomas Dr. med. vet. (2018): Tumorstaging – wer seinen Gegner kennt, kann ihn erfolgreicher bekämpfen. In Tierarztverlag. Ausgabe 07-08/2018. https://www.tieraerzteverlag.at/vetjournal/tumorstaging

Withrow SJ, MacEwen EG (Hrsg.): Small Animal Clinical Oncology. 3. Auflg. WB Saunders, 455–477, 2001