• © B. Dexel

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Clickern für ALLE – ist Clickertraining auch für Katzen mit Behinderungen geeignet?

In unseren Beratungen und unseren Fernsehsendungen kommt immer wieder die Frage auf, ob das Clickertraining auch für Katzen mit körperlichen Beeinträchtigungen geeignet ist. Katzenhalter wollen wissen, was sie mit ihren Katzen anstelle von Clickertraining zur Auslastung und Förderung ihrer Samtpfoten machen können. Der Gedanke, dass jede Katze einzigartig ist und ihren individuellen Bedürfnissen gemäß gefördert werden sollte ist natürlich richtig. Das Faszinierende an der Clickermethode aber ist, dass sie perfekt und individuell an die Bedürfnisse jeder Katze angepasst werden kann - auch in einem Mehrkatzenhaushalt. Wir haben in unserer langjährigen Praxis mit zahlreichen tauben und/oder blinden Katzen erfolgreich und unterstützend geclickert, ebenso mit Katzen mit neurologischen Störungen wie Ataxie, die häufig aufgrund ihrer ­Koordinationsprobleme fälschlicherweise trivial als „Wackel-Katzen“ bezeichnet werden.

Einschränkungen sind KEIN Grund zum Einschläfern

Es ist leider noch gar nicht lange her, dass viele Katzen mit Behinderungen eingeschläfert wurden, weil die Halter und leider auch manche Veterinäre der Meinung waren, man „müsse sie von ihrem Leid erlösen“. Katzen gehen mit Krankheiten, Schicksalsschlägen in der Regel sehr pragmatisch und lebensbejahend um.

Was einem harmonischen Zusammenleben leider dennoch im Wege stehen kann, ist oftmals die äußerst negativ geprägte Einstellung der Katzenhalter – einerseits ihre eigenen, überbordenden Ängste, andererseits ihre enormen Ansprüche an sich selbst, die auch auf das Tier übertragen werden. „Man erträgt es einfach nicht“, dass seine Katze – vermeintlich - kein „normales“ Leben führen kann. Nicht nur in dieser Hinsicht können wir eine Menge von unseren kätzischen Gefährten lernen. Es gilt das Beste aus jeder Situation zu machen. Gerade in dieser für uns alle so schwierigen Zeit der Corona-Krise können wir uns da eine Scheibe abschneiden.

Sommerakademie 2020

„Einführung ins Clickertraining“

Webinar am 13.08.

Gerade Katzen mit Behinderungen werden oftmals komplett unterfordert und wären so dringend auf angepasstes, strukturiertes Training und gezielte Unterstützung angewiesen. Sie reagieren auf die Beschäftigung und Stimulation äußerst dankbar. Alle Ataxie-Katzen, mit denen wir bisher clickern durften, waren ganz katzentypisch clever und motiviert, wenn man ihnen liebevoll Hilfestellungen beim Clickertraining gibt, sodass sie mit Freude lernen und sich dadurch in ihrer Motorik sehr schnell Verbesserungen zeigen. Häufig arbeiten wir auch mit Katzen, denen aufgrund von Unfällen, Krankheit oder auch Misshandlung Gliedmaßen amputiert werden mussten. Gerade im Tierschutz , besonders in Südeuropa, wo wir uns speziell in Zypern engagieren, gehören dreibeinige Katzen schon zur Normalität. Auch ist es möglich, Katzen mit fehlenden oder gelähmten Gliedmaßen mittels des Trainings die Benutzung von speziellen Rollstühlen für Katzen oder auch von „Behinderten-Katzen-Toiletten“ gezielt und spielerisch beizubringen und ihnen somit wieder eine Grundlage für eine ganz andere Form von Lebensqualität ermöglichen zu können. Hierbei geht es nicht darum, dass die Katze im Zirkus auftreten, geschweige denn durch brennende Reifen springen oder gar in einschlägigen Talentformaten im Privatfernsehen auftreten soll, sondern nur um gemeinsamen sinnvollen Spaß 😀.

Katzen mit Behinderungen haben dieselben Bedürfnisse wie jeder andere Stubentiger auch und sie brauchen Interaktion mit ihrem Menschen, Spaß und Auslastung. Wenn Clickertraining systematisch erlernt wurde, stellt es ein einzigartiges Instrumentarium zur gemeinsamen Kommunikation dar – baut Vertrauen auf und ist ein wahres Elixier für Körper, Geist und Seele. Dies gilt gleichermaßen für die Katze wie für ihren Menschen.

Wie clickere ich mit meiner Katze?

Auch beim Clickertraining ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Es ist besonders wichtig, dass sich die Katzenhalter erst einmal eingehend mit der Systematik des Clickertrainings vertraut macht: Zuerst lernt der Mensch, erst dann die Katze. Diese Herangehensweise stellt sicher, dass es allen Beteiligten wirklich Spaß macht und therapeutische Erfolge erzielt werden können, sprich die Katze Dinge erlernen kann, die ihr Leben mit Einschränkung leichter und angenehmer gestaltet.

Das Funktionsprinzip des Clickertrainings bedeutet auf den Punkt gebracht:

Lernen durch positive Bestärkung. Lohn, Lob und Anerkennung für gute Arbeit: das mögen wir alle doch auch. Dies funktioniert im Übrigen mit allen Katzen.

Lernen soll Spaß machen - Druck überzogene Ehrgeiz, gar Zwang und Überforderung sind hier deplatziert und therapeutisch gesehen kontraproduktiv. Da viele Katzen auch in der Art der Hilfen und Motivationen durch ihre Menschen sehr anspruchsvoll sein können, ist es unerlässlich, sich zuerst eingehend mit den Basics des Clickertrainings wie Konditionierung auf den Clicker, richtigem Timing und der Suche nach dem "perfekten Leckerchen" auseinanderzusetzen. Alle diese Themen sind praxisnah, in kleinen Schritten und mit vielen Bildern in ersten Kapitel von „Birga Dexels Clickertraining für Katzen“ nachzulesen.

Unsere langjährige Erfahrung zeigt: Viele Katzen haben zu Beginn des Trainings noch eine kürzere Aufmerksamkeitsspanne (die Halter übrigens oft auch 😀), daher ist es auch bei Katzen mit Behinderungen besonders wichtig, als Halter akkurat und routiniert vorzugehen, um auf die Katze eingehen zu können. „Learning by Doing“ –  also die Katze ohne jegliche Systematik und fundierte Informationen mit dem Clicker „zu überfallen“ birgt das Risiko, die Katze zu verunsichern oder zu langweilen, sodass sie gar nicht mitmacht und Sie diese wunderbar hilfreiche Methode quasi „verbrennen“.

Eine gute Methode für den Einstieg ist es auch zuerst mit einem Freund oder einer Freundin zu üben, wenn dann das Timing stimmt, das richtige Leckerchen gefunden worden ist, dann kann das Training mit der Katze sofort starten.

 

Birga Dexel’s Clickerbuch für Katzen

Birga Dexel´s Clickertraining für Katzen

Welchen Clicker benutze ich bei welcher Form der Einschränkung?

Es gibt viele verschiedene Clicker auf dem Markt, viele stammen aus dem Hundebedarf und sind für Katzen zu laut. Wir nutzen einen leiseren sehr kleinen Clicker, der leicht in der Hand liegt. Ein solcher Clicker ist für alle Katzen, die gut hören, geeignet. Einen Clicker bezeichnet man in der Fachsprache auch als Marker, da er beim Auslösen etwas bestimmtes „markiert“. Bei tauben Katzen benutzen wir als optischen Marker eine kleine Taschenlampe mit klar gebündeltem Lichtstrahl, den man beispielsweise durch eine darüber gestülpte und mit einem Schnippsgummi befestigte farbige Folie oder ein Transparentpapier dimmen kann, falls ihr Licht zu sehr blendet. Bei Katzen, die blind und/ oder taub sind, arbeiten wir mit taktilen Markern, also mit Berührungen. Mit Kreativität und Fachwissen ist möglich den richtigen Marker für jede Katze zu finden, egal ob mit oder ohne Einschränkungen.