• Mehr Tiger leben in den USA in Gefangenschaftshaltung als in freier Wildbahn

    © B. Dexel

Leopard greift Model bei Fotoshotting auf Tiergnadenhof an

Leopard greift Model bei Fotoshotting auf Tiergnadenhof an

25.08.2021

Am Dienstag Abend kam es in Nebra in Sachsen-Anhalt zu einem Unfall mit einem Leoparden auf der  "Seniorenresidenz für Showtiere", einem privaten Gnadenhof für ehemalige Showtiere, geleitet von Tiertrainerin Birgit Stache. Auf dem Gnadenhof leben ehemalige Showtiere: neben Papageien, einem Minischwein und Pony auch die Leopardensenioren Paris (18) und Troja (16). Beide Kater sind bekannt aus dem bayerischen Fernsehen und Werbefilmen für Panasonic.

Die Leoparden zogen 2019 auf dem Hof ein, nachdem laut dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) der ehemalige Halter sich aufgrund von Krankheit nicht mehr um die Tiere kümmern konnte. Überall in Deutschland fehlt es an geeigneten Auffangstationen für solche Raubkatzen. Wenn Zoos oder Tiergärten nicht in der Lage sind Tiere aufzunehmen werden sie auch in fachkundige Privathände abgegeben. Dies scheint auch der Fall bei Frau Stache gewesen zu sein. Sie soll die Leoparden schon lange kennen und schon beruflich mit ihnen zu tun gehabt haben. Sie erhielt von den zuständigen Behörden in Sachsen-Anhalt die Genehmigung die Tiere zu halten.

Laut Medienberichten soll am 24.8.2021 ein Fotomodel angegriffen und ins Gesicht gebissen worden sein, als es mit einem der Leoparden für die Kamera posieren sollte. Dabei war der Leopard aus dem Gehege gelangt, konnte aber entgegen anderslautender Berichte wieder in sein Gehege verbracht werden. Fälschlicherweise war in der Öffentlichkeit durch die Warnapp Katwarn im Burgenland verbreitet worden, der Leopard wäre vom Gelände entlaufen, laut offiziellen Kreisen war dies nie der Fall.

Das Fotomodel liegt verschiedenen Berichten zufolge mit schweren Gesichtsverletzungen im Krankenhaus.

Mehr Tiger in Gefangenschaftshaltung als im Freiland

In den USA gelten von Staat zu Staat verschiedene Regeln in Bezug auf die Privathaltung von Raubkatzen. Generell sind die gesetzlichen Regelungen sehr viel lockerer als bei uns und erschreckend aber wahr gibt es schon seit langem mehr Tiger (schätzungsweise bis zu 7000 Tiere) in Gefangensschaftshaltung in den USA als noch freilebend in der Wildnis verbleiben.

Die US-amerikanische Tierschutzorganisation Humane Society of the United States listet in einem Bericht zu Raubkatzenattacken 306 gefährliche Vorfälle seit 1990 auf.

In vielen der Vorfällen attackierten die Raubkatzen Menschen, nachdem sie aus den Gehegen hatten fliehen können. Alle Katzen sind hochgradig intelligente Tiere, sie beobachten ihr Revier ganz genau und bemerken jede noch so kleinste Veränderung in ihrer Umgebung. In Gehegen gehaltene Raubkatzen können oft entkommen, wenn sie durch menschliche Fehler plötzlich einen Weg aus dem Gehege entdecken.

In der Regel sind es Fehler im Umgang, der Haltung oder tragische Zufälle, die zu gefährlichen Zwischenfällen führen. Immer wieder stecken auch Menschen wider besseren Wissens ihre Finger oder Hände in Raubtiergehege, um die Wildtiere zu streicheln. In anderen Fällen halten Eltern ihre Kinder zu nah ans Gehege oder heben sie über eine Absperrung. Gerade Kinder sind jedoch besonders gefährdet aufgrund ihrer Größe von Raubkatzen, auch in freier Wildbahn, angegriffen zu werden.

Das Revier ist für Katzen von enormer Bedeutung; bei Raubkatzen in Gefangenschaftshaltung ist das Revier ihr Gehege. Wenn sie sich außerhalb des Geheges befinden und dieses nicht kennen ist dies eine sehr stressige Situation für sie. Alle Katzen -Großkatzen als auch unsere Hauskatzen- die sich in einer akuten Stresssituation befinden können aggressiv reagieren

Laut der HSUS kamen seit 1990 20 Menschen bei Zwischenfällen ums Leben, 244 wurden verletzt und auch 125 Raubkatzen wurden getötet. Die meisten dieser Vorfälle wären vermeidbar gewesen; neben den betroffenen Menschen bezahlen die betroffenen Tiere auch oft mit dem Leben. Sie werden als Folge der Attacken erschossen oder eingeschläfert; nur die wenigen die auf einer Flucht keinen Menschen verletzen und durch einen Wildtierveterinär mit einem  Betäubunsggewehr narkostisiert und wieder in ihr Gehege verbracht werden überleben einen Ausbruch.

Was den Angriff genau in Nebra genau ausgelöst hat ist zur Zeit noch ungeklärt. Laut offiziellen Statement des Burgenlandkreises wurden Ermittlungen über den Tathergang aufgenommen.

Quellen

Burgenlandkreis (24.8.2021): Keine Gefahr für Bevölkerung wegen angeblichem Ausbruch eines Leoparden im Burgenlandkreis.

Human Society of the United States of America (o.J.). Captive big cat incidents. Washington.

MDR Sachsen-Anhalt (25.8.2021): Ermittlungen wegen Körperverletzung Leopard greift an: Frau bei Fototermin in Wangen schwer verletzt.

Reh, Susanne (17.10.2020): Wenn Showtiere in Rente gehen. Tiertrainerin nimmt alternde Papageien und Leoparden auf. MDR Sachsen-Anhalt. l