Katzen und Vögel

Mittlerweile wird die Diskussion um mögliche Auswirkungen von Katzen auf Vogelpopulation und Vogelarten immer emotionaler geführt. Teilweise führt die aufgehitzte Debatte zu fragwürdigen Entscheidungen wie zum Ausgangsverbot von Freigängerkatzen. Die Kommune Walldorf hat es 2022 durch einen Hausarrest von Freigängern zum Schutz von brütenden Haubenlerchen zu weltweiter Aufmerksamkeit gebracht. Das Verbot wurde vorzeitig aufgehoben, auch nachdem viele Katzenhalter Widerspruch gegen die Entscheidung der unteren Naturschutzbehörde eingelegt hatten.

Hier geht es zu unseren Blogbeiträgen zum Thema: Stubenarrest für Katzen in Walldorf

Lockdown für Katzen

Gutachten hält das Ausgangsverbot für Katzen für tierschutzwidrig

Interview mit RA Ellen Apitz zum Katzenhausarrest

Der Vorgang in Walldorf zeigt, dass Katzen auch zu Sündenböcken gemacht werden. Der erschreckende und signifikante Rückgang von Vogelpopulationen und das Aussterben von Vogelarten ist fast ausschließlich auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen. Katzen, die auch Vögel erbeuten, wenn sich die Gelegenheit ergibt spielen eine untergeordnete Rolle in Bezug auf das Vogelsterben. Katzenfreunde sind in der Regel betrübt, wenn ihre Katzen Vögel erbeuten und viele sind sehr bemüht ihren Katzen die Jagd auf Vögel zu unterbinden. Es gibt vieles, was Katzenfreunde tun können, damit die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass Katzen Vögel erbeuten.

Wie können Katzen und Vögel koexistieren?

Im Rahmen ihrer früheren Tätigkeit als Projektmitinitiatorin und Projektkoordinatorin des Schneeleopardenprojektes des Naturschutzbund Deutschland (NABU) ist Birga Dexel auch mit den Fragen des Wildvogelschutzes in Kontakt gekommen. Vogelschutz ist eines der zentralen Themen des NABU. Katzen werden zunehmend für den Rückgang von Vogelpopulationen verantwortlich gemacht. Vögelpopulationen sind in ihrem Überleben durch die Zerstörung ihrer Lebensräume durch die industrielle Landwirtschaft,  dem Rückgang der Nahrung (Insektensterben) sowie vermeidbaren Vogelschlag an Häuserglasfassaden bedroht.  

Die Vereinbarkeit von Katzenhaltung und Vogelschutz ist deswegen ein Gebiet mit dem sich das Cat Institute seit längerem beschäftigt und bemüht ist Lösungen für eine Koexistenz von Katzen und Vögeln zu finden. Die meisten Katzenhalter und Katzenhalterinnen erfreuen sich an unserer heimischen Vogelwelt und sind betrübt, sollten ihre Katzen einen Wildvogel erlegen.

Es gibt nicht DIE eine Methode, aber ein Kombination aus artgerechter Ernährung und Beschäftigung kann die Jadgmotivation von Hauskatzen signifikant senken wie eine britische Studie 2021 der University of Exeter belegte. Wir beraten Katzenhalter u.a. zur vogelsicheren Gartengestaltung.

Ursachen für den Rückgang von Vogelpopulationen

Es gibt viele Gründe, die sich teilweise gegenseitig verstärken und für den dramatischen Rückgang von Vogelpopulationen verantwortlich sind. Allen Gründen ist gemeinsam, dass sie direkt oder indirekt auf menschliche Aktivitäten zurükzuführen sind. Sei es der Klimawandel, der alle Lebewesen inklusive dem Menschen bedroht, oder der Habitatverlust durch die immer weiter fortschreitende Versiegelung der Landschaft oder die für die Energiewende benötigten Windräder.

Einen großen Anteil am Rückgang der Artenvielfalt hat die industrielle Landwirtschaft und die damit verbundenen Monokulturen sowie die Ausbringung von für Wildtiere (Vögel, Insekten, Säugetiere) schädliche oder tödliche Ackergifte. Pestizide führen zu Insektensterben und insektenfressenden Vogelarten fehlt die Nahrungsgrundlage. Seevögel sind neben der Meeresverschmutzung und Mikroplastik sowie der Auswirkungen und Überfischung durch den industriellen Fischfang bedroht.

Weniger bewusst ist vielen Menschen, dass eine hohe Anzahl an Vögeln durch Kollisionen verstirbt. Für Vögel fatal sind große Glasfassaden von Gewerbeimmobilien, aber auch Privathäusern. Vögel sterben aber auch durch den Zusammenprall mit Flugzeugen, aber auch durch den Autoverkehr.

Lärmverschmutzung und Lichtverschmutzung schwächen Vögel. Geschwächte Vögel sind anfälliger für Erkrankungen.

 

 

 

 

Die industrielle Landwirtschaft mit ihren Monokulturen und ihrem Einsatz von Pestiziden ist ein Hauptfaktor für den Rückgang der heimischen Artenvielfalt von Fauna und Flora. Auch viele Vogelarten sind direkt und indirekt betroffen. Die industrielle Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen ist Big Buisness.  Laut dem Industrieverband Agrar wird fast die Hälfte der Fläche in Deutschland, 16,7 Millionen Hektar,  landwirtschaftlich genutzt. Davon entfallen nur 1 614 000 Hektar auf den Bioanbau, Dies bedeutet, dass 90% der landwirtschaftlichen Flächen industriell bewirtschaftet werden.

industrieller Fischfang bedroht Seevögel

Laut dem BUND bedroht die industriell betriebene Fischerei viele Seevogelpopulationen. Es ertränken jährlich insgesamt etwa 100.000 bis 200.000 Seevögel in Stellnetzen in der Nord­ und Ostsee (davon etwa 80 % alleine in der Ostsee)

Unzählige Vögel kollidieren im Flug mit Eisenbahnen, Autos und Stromleitungen und werden Opfer unserer Landschafts-und Raumveränderungen.

Vogelschlag im Autoverkehr

Im öffentlichen Bewusstsein wenig bekannt ist die Bedrohung von Vögeln durch den Autoverkehr und Eisenbahnen. Sandra Henze, die eine Literaturstudie zur Wirkung von Straßen auf die Mortalität von Vögeln an der Universität Hannover durchgeführt hat, kommt zu dem Ergebnis, dass „die Opferraten von Vögeln, die durch den Straßenverkehr umkommen, mit hoher Wahrscheinlichkeit im mittleren zweistelligen Millionenbereich anzusiedeln sind“. Laut Henze, sind vor allem kulturfolgenden Vogelarten wie Amsel, Rotkehlchen, Buchfink und Goldammer durch den Autoverkehr gefährdet. „In Abhängigkeit von den jeweiligen Biotopen am Straßenrand, können aber auch seltene Arten betroffen sein. …Die Häufigkeitsverteilung der Todfunde hängt stark mit der jahreszeitlichen Aktivität der Art zusammen. Es gibt drei Spitzen im Jahresverlauf. Diese fallen auf die Balz im Frühjahr, die Brut- und Fütterungszeit im Sommer und den Herbstzug“.

Windräder und Windenergie

Jährlich sterben laut dem BUND 100.000 bis 200.000 Vögel durch Windräder.

Das leise aber schnell voranschreitende Insektensterben betrifft sehr viele Vogelarten. Ihnen fehlt die Nahrungsgrundlage. Insektensterben hat wie auch die Bedrohung von Vogelarten vielfältige Ursachen. Wichtige Faktoren sind beim Insektensterben der Einsatz von Pestiziden und Monokulturen in der industriellen Landwirtschaft, aber auch der Einsatz von Unkrautvernichtern in privaten Gärten und das Anpflanzen von für heimische Insekten ungeeigneten Pflanzen. Wir beraten gerne zu insektenfreundlichehn Katzengärten.

Vogelschlag an Glasfassaden

Laut dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem BUND sterben jährlich zwischen 18-100 Millionen Vögel in Deutschland alleine durch Glasschlag.

Etliche dieser an Glasfassaden verendeten Vögeln werden in Folge von Katzen oder anderen Beutegreifern wie Greifvögeln gefressen. Denn nicht alle Vögel brechen sich sofort beim ersten Aufprall mit einer Glasfassade das Genick, sondern können laut Judith Förster vom BUND aufgrund von gebrochenen Knochen nicht mehr fliegen oder liegen bewusstlos am Boden und werden erst als Folge der Verletzung zu leichter Beute für Katzen.

Millionen Vögel könnten jährlich durch simple Veränderungen, wie u.a.hochwirksame Muster, an der Fassadengestaltung an Privathäusern, Bürogebäuden und Wartehäuschen gerettet werden. Informationen zur vogelfreundlichen Gestaltung von Glasfassaden sind beim BUND Projekt "Vermeidung von Vogelschlag an Glas" erhältlich.

Landschaftsversiegelung und Habitatverlust

Im Zeitraum von wurden  in den letzten 25 Jahren eine Million Hektar landwirtschaftliche Fläche durch Siedlungsbau und Verkehr in Anspruch genommen wurden und darum dauerhaft als Lebensraum für Vögel der Agrarlandschaft verloren sind.

Ursachen für den Rückgang von Vogelpopulationen

Es gibt viele Gründe, die sich teilweise gegenseitig verstärken und für den dramatischen Rückgang von Vogelpopulationen verantwortlich sind. Dazu gehören die industrielle Landwirtschaft und die damit verbundenen Monokulturen sowie die Ausbringung von für Wildtiere (Vögel, Insekten, Säugetiere) schädliche oder tödliche Ackergifte.