• Transportkorbtraining mit dem Clicker und Kater Hamlet

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  • Illegaler Welpenhandel ist ein zunehmendes Problem

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  • Auch Rassekatzen sind vom illegalen Welpenhandel betroffen

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  • Wenig Verbesserungen für Schafe, Schwein & Co

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Wenig erreicht für Katzen und andere Tiere

Die noch amtierende Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat sich seit ihrem Amtsantritt trotz vollmundiger Bekundungen nicht um den Tierschutz verdient gemacht: weder Haustiere noch sogenannte Nutztiere wurden besser vor Leid und Qual geschützt.

Kampagne gegen den illegalen Handel mit Hundewelpen

Mit Blick auf die anstehende Wahl hat das Ministerium nun eine Initiative zum Stopp des illegalen Handels mit Hundewelpen gestartet. Viele Tierschutzorganisationen bewerten dieses Verstoß aber als unzureichend.

Handel mit Rasse-Katzen-Mischlingen hat zugenommen

Leider werden Katzen dabei nicht berücksichtigt, obwohl auch der Handel mit Rasse-Mixkatzen oder papierlosen Rassekatzen enorm zugenommen hat. Gerade aus dem osteuropäischen Ländern gelangen viele dieser oft kranken, zu jungen und unter tierschutzwidrigen Bedingungen gezüchteten Katzen nach Deutschland und andere westeuropäische Länder. Wir haben in unserer täglichen Verhaltensberatungspraxis immer wieder mit solchen Tieren zu tun, die oft aus Mitleid aus erbärmlichen Bedingungen gekauft wurden. Etliche dieser Katzen entwickeln aufgrund ihrer schlechten Startbedingungen später Verhaltensprobleme.

Haustier-Berater.de: für Katzenhalter wenig Unterstützung

Auch das offizielle Onlineportal Haustier-Berater.de  des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) wird seinen Ansprüchen leider nicht gerecht: Für Informationssuchende zukünftige Tierhalter gibt es nur spärliche Informationen zum beliebtesten Haustier der Deutschen: der Katze.  

Katzen lassen sich problemlos trainieren

Zudem werden überholte Tipps zum Training von Katzen gegeben. Im Haustierratgeber heisst es Katzen liessen sich „nur begrenzt erziehen. Am besten hilft eine Belohnung für gutes Verhalten, wie bei jedem Tier.“ Positive Bestärkung erwünschtem Verhaltens ist auf zwar der richtige Ansatz, sollte aber um nachhaltigen Erfolg zu bringen im Rahmen des Clickertrainings stattfinden. Wenig erfolgversprechend und für Katzen unangenehm ist z.B. der Vorschlag in die Hände zu klatschen, wenn Katzen etwas verbotenes tun. Im Cat Institut verwenden wir nicht den oft negativ konnotierten Begriff der Erziehung, sondern haben schon vor mehr als 15 Jahren den Begriff des Katzentrainings eingeführt. Für uns sind Katzen keine Lebewesen, die funktionieren und sich an uns anpassen sollen, sondern das Training von Katzen soll diesen helfen gut und gerne in unseren Familien zu leben. Dafür bedarf es der artgerechten Unterbringung, Interaktion, Ansprache und eben dem katzengerechten Training.

Informationen gibt es hier zu artgerechtem Training von Katzen und in unserem Buch "Birga Dexel's Clickertraining für Katzen" . Im Rahmen unserer Online Akademie finden Sie zudem viele Onlinekurse zum Thema artgerechter Katzenhaltung und Katzentraining.

Aber auch die Bilanz für eine Verbesserung der Lebensbedingungen für Schweine, Hühner, Rinder, Schafe, Enten und anderen sogenannten Nutztieren ist mager.

Blick zurück: für die Tiere wenig getan

Immer wieder wurden wichtige Tierschutzinitiativen von Klöckners Ministerium zugunsten von Lobbyinteressen großer Agarunternehmen blockiert. Die Folge dieser Politik ist millionenfaches vermeidbares Tierleid: egal ob es sich um das barbarische Schreddern von lebendigen Küken handelt (noch bis Ende 2021 erlaubt) oder das betäubungslose Kastrieren männlicher Jungferkel unter 8 Tagen.

Kastration von Ferkeln durch medizinische Laien

Das Kastrieren von männlichen Ferkeln ohne Betäubung ist erst seit Januar 2021 in Deutschland flächendeckend verboten. In der EU ist diese Praxis hingegen schon seit 17 Jahren verboten. Kein Tierarzt würde einen Hund oder eine Katze ohne Betäubung kastrieren. Bei den extrem empfindsamen und intelligenten Schweinen hingegen war es jahrzehntelang noch erlaubt. Lange wurde mit der Unwirtschaftlichkeit einer Narkosepflicht bei der Ferkelkastration für Landwirte argumentiert, denn die Kosten für eine Betäubung bei der Kastration erhöhen diese um 2-4 Euro pro Tier. Leider ist es aber nach der Neureglung nicht mehr nur Tierärzten vorbehalten, sondern auch Landwirte dürfen jetzt nach Erlangung eines Sachkundenachweises mit dem Betäubungsgas Isofluran die Vollnarkose selber durchführen. Jedem Tierfreund dürfte einleuchten, dass ein schnell erworbener Sachkundenachweis kein veterinärmedizinisches Studium ersetzen kann. Nur die fachgerechte Kastration durch Veterinäre kann ein schmerzfreies Kastrieren garantieren.

Tierschutzorganisationen befürchten zudem, dass aus Kostengründen ggf. weiter betäubungslos kastriert wird, da Kontrollen durch Amtsveterinäre sehr selten sind.

Die Kastration sei laut konventionellen Bauernverbänden notwendig, um das Fleisch später verkaufen zu können. In Ställen mit unkastrierten Ebern würde sich der typische strenge Ebergeruch verbreiten.

Kupieren von Schweineschwänzen

Auch ist es weiterhin erlaubt Schweinen den Schwanz zu kupieren, sprich ihnen den Ringelschwanz abzuschneiden. Wie sich jeder vorstellen kann eine extrem schmerzhafte Praxis. Das routinemäßige Kupieren von Schweineschwänzen zur Verhinderung von Schwanzbeißen ist auf EU-Ebene bereits seit 1994 verboten. In der Praxis wird aber noch in vielen EU-Staaten kupiert, da die inhumanen und nicht -artgerechten Haltungsbedingungen von Schweinen in der Mast dazu führen, dass die Tiere sich vor lauter Enge und Stress die Schwänze abbeißen. Die EU-Kommission hat 26 Mitgliedsstaaten inklusive  Deutschland aufgefordert, einen Aktionsplan mit rechtsverbindlichen Maßnahmen zur Durchsetzung der Rechtsvorgaben vorzulegen.

Auch beim sogenannten Tierwohllabel ist das BMVEL gescheitert. Der Bundesrechnungshof hatte Klöckners Ministerium im März 2021 gerügt, dass es sinnvoller wäre Tierschutzstandards verbindlich durch Verschärfungen des Tierschutzgesetztes signifikant anzuheben. Dieser Schritt wird jedoch von den Unionsparteien abgelehnt.

Fimtipp: Gunda. Ein zutiefst bewegender Dokumentarfilm in schwarz-weiß Bildern über das Seelenleben von Schweinen, Hühnern und Kühen von Victor Kossakovskys und produziert vom bekennenden Tierfreund Joaquin Phoenix. Gedreht wurde nicht in industriellen Tierfabriken, sondern auf kleineren Höfen. Der Film verzichtet dabei auf Kommentare und Erläuterungen, sondern zeigt das Leben vom Sau Gunda, ihren Ferkeln und vielen anderen Tieren. Hier geht es zum offiziellen Trailer.

 

Quellen

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) (20.5.2021): Ausstieg aus dem Kükentöten. https://www.bmel.de/DE/themen/tiere/tierschutz/tierwohl-forschung-in-ovo.html

dasselbe: 16.3.2021: Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration.
https://www.bmel.de/DE/themen/tiere/tierschutz/ferkelkastration201811.html

dasselbe: Haustier-Berater.de.

Süddeutsche Zeitung (30.3.2021): Rechnungshof rügt Klöckner für Tierwohllabel.

Zweckverband Veterinäramt Jade Weser (): Ausstieg aus dem Schwänzekürzen bei Schweinen.
http://www.jadeweser.de/Tierschutz/LandwirtschaftlNutztiere/Schweine/Schwanzk%C3%BCrzenSchweine/tabid/268/Default.aspx

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