• natürlich gewachsener Lavendel, eine Bienenweide

    © B. Dexel

  • Selbst bienenfreundliche Pflanzen können pestzidbelastet sein

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  • Katzenrasen wenn nötig nur ökologisch düngen

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Richtig Düngen im Katzengarten und auf dem Katzenbalkon

Richtig Düngen auf Balkon, Terrasse und im Garten mit Katze und Hund 

Dass alle Außenbereiche, die wir zusammen mit unseren geliebten Vierbeinern nutzen, mit unbedenklichen Pflanzen - sprich ungiftigen Pflanzen ohne Verletzungsgefahr durch Stacheln oder scharfe Blattkanten - besetzt sein sollten, wird von den meisten Tierhaltern noch bedacht.
Aber wie diese mit Nährstoffen versorgt, also gedüngt werden können, ohne daraus eine Gefahr für unsere Katzen und Hunde sowie Bienen, Vögel und andere Wildtiere im Garten oder die umgebende Natur werden zu lassen, stellt für viele gewissenhafte und umweltbewusste Tierhalter die nächste große Frage dar.

Die Herkunft macht´s - Biologischer Anbau ist besser für Katzen

Zunächst sollten alle Pflanzen, die wir in unseren Gärten, auf Terrassen und Balkonen, vor allem wenn wir sie gemeinsam mit unseren Katzen und Hunden und gegebenenfalls auch Kindern nutzen, aus biologischer Herkunft stammen. Konventionell gezogenen Pflanzen stehen in Substraten, also in Pflanzerden oder auf faserigen Untergründen, die mit einer unglaublichen Menge an Düngemitteln und Schädlingsbekämpfungsmitteln versetzt sind. Weil sie so stark mit synthetischen Pestiziden und Düngern behandelt sind, überleben viele Billig-Pflanzen außerdem im Garten oder auf dem Balkon nicht lange. Diese gehen auch in die Pflanzen über.

Greenpeace Studie zu bienenfreundlichen Pflanzen

Die Umweltorganisation Greenpeace fand in einer europaweiten Studie an 35 Pflanzenarten (darunter beliebte Arten wie Hornveilchen, Vergissmeinnicht und die Trendpflanze Lavendel) in 79 Prozent der untersuchten Pflanzen ein giftiges Pestizidcocktail, das insbesondere für Bienen gefährlich ist. Die österreichische Sektion von Greenpeace fand in einer weiteren landesweiten Untersuchung 2016 insbesondere in Lavendelpflanzen aus diversen Baumärkten und Gartencentern giftige Pflanzenschutzmittel.
Besonders traurig ist dabei, dass etliche dieser Pflanzenarten in Supermärkten und Baumärkten als besonders bienen- und insektenfreundlich beworben werden. Naturbezogene Verbraucherinnen kaufen diese im Glauben Wildinsekten einen Lebensraum zu bieten. De facto bedroht das Giftgemisch in den für Bienen und andere Insekten interessanten Pflanzen ihre Gesundheit und Überleben.

Diese Art der Pflanzenproduktion von Zier- und Nutzpflanzen stellt eine erhebliche allgemeine Belastung der Umwelt dar.  Darüber hinaus gelangen auf diesem Wege Schadstoffe und Gifte in unsere Lebensumgebung. Vermeintlich unbedenkliche Pflanzen werden zur Gefahr für unsere Gesundheit und die unserer Schutzbefohlenen.

Biologische Herkunft bei allen Nutz-, aber auch allen Zierpflanzen, die wir in unsere Wohnungen, auf unsere Balkone, Terrassen und in unsere Gärten verbringen schützt Mensch und Tier.

Was ist das Problem beim herkömmlichen Düngen?

Hat man gewissenhaft Pflanzen aus biologischem Anbau gekauft, steht der umweltbewusste Garten- und Balkonbesitzer - ob mit oder ohne Katze und Hund - nun vor der Frage, wie er seine Pflanzen umweltverträglich und nachhaltig düngen und somit mit den benötigten Nährstoffen versorgen, gesund und ertragreich erhalten und üppig blühend, gedeihen lassen kann.

Alle Pflanzen -Magerstandorte bevorzugende Exemplare wie Mauerpfeffer, Sukkulenten oder Hauswurz einmal ausgelassen- benötigen eine gute Versorgung mit organischen und anorganischen Nährstoffen.

Die hauptsächlich benötigten anorganischen Nährstoffe sind Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kaluim (K). Die angebotenen herkömmlichen anorganischen Dünger werden daher auch als NPK-Dünger bezeichnet.

Flüssigdünger im Garten oder auf dem Balkon

Flüssigdünger sind eine der beiden gängigsten Darreichungsformen der NPK-Dünger. Flüssigdünger wird dem Gießwasser beigegeben und umgehend mit dem nächsten Regenguss oder dem nächsten Bewässern mittels Gartenschlauch oder Gießkanne wieder ausgespült. Im Garten bedeutet das, dass alle Nährstoffe, die nicht unmittelbar von den Pflanzenwurzeln aufgenommen werden, ins Grundwasser und unserer Gewässer gelangen, diese eutrophieren und belasten.
Auf einer Terrasse, dem Balkon oder bei Kübelpflanzen im Garten bleiben die ausgespülten chemischen Nährstoffe in Untersetzern der Pflanzgefäße stehen und können von unseren Katzen und anderen Haustieren beim Trinken oder Spielen mit diesem Wasser aufgenommen werden.

Blaukorn - ein ungeeigneter NPK-Dünger als Langzeitkonzentrat

Die andere Darreichungsform konventioneller anorganischer Dünger ist das sogenannte Blaukorn. Die blaue Farbe wurde gewählt, da sie von den meisten Klein- und Wildtieren gemieden wird und somit die Aufnahme der Düngekügelchen recht unwahrscheinlich wird.
Blaukorn zersetzt sich etwas langsamer und gibt die Nährstoffe kontinuierlicher ab.

Blaukorn ist gefährlich und giftig für Katzen

In einem Garten mit Katze, Hund oder Kindern bleibt damit aber auch die Gefahr länger bestehen, dass sie versehentlich oder gezielt aufgenommen werden. Auch wenn Blaukorn etwas im Boden eingearbeitet wird, ist beim Scharren der Katzen zum Spielen oder zum Verrichten ihres Geschäfts die Wahrscheinlichkeit, dass sie zumindest mit den Pfoten in Kontakt mit dem chemischen Dünger kommen durchaus real. Werden die Pfoten im Anschluss gewissenhaft geputzt, nimmt die Katze die chemischen Substanzen auf.

Wie giftig sind Kalium, Phosphor und Stickstoff für unsere Katzen und Hunde?

Kaliumsalze als Lieferant für Kalium sind Bestandteil von herkömmlichen Düngern. Zusammen mit Phosphor und Stickstoff verbinden sie sich zu reizend wirkendem Nitrit.
Kaliumsalze sind für Katzen und Hunde giftig und werden - ebenso wie Nitrit - vor allem von Katzen beim Putzen ihrer Pfoten und ihres Fells aufgenommen.
All diese chemischen Verbindungen sollten auf keinen Fall in den Garten mit Katze, Hund oder Kind gelangen.

Konventioneller organischer Dünger - Hornspäne

Je sandiger und weniger humos ein Gartenboden ist, desto größer ist der Bedarf der dort stehenden Pflanzen an organischem Dünger. Organische Düngung verbessert außerdem das Wasserhaltevermögen des Bodens und die Verfügbarkeit von Nährstoffen.

Klassisch werden hierzu Hornspäne angeboten. Dies sind kleingehäckselte Hufe von Nutztieren aus der konventionellen Landwirtschaft. Inwieweit man diese Art der Fleischproduktion auch immer gut heißt, sollte man sich im Zusammenhang mit der Düngung mit diesen Hornspänen darüber im klaren Sein, dass es nicht nur die konventionelle Landwirtschaft und Tierverwertung unterstützt, sondern den organischen Dünger auch mit allem belastet, was dort an Zusatzstoffen und Arzneimitteln wie u.a. Antibiotika eingesetzt wird.

Hornspäne ziehen Hunde magisch an

Hornspäne üben zudem eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf die meisten Hunde aus, die diesen natürlichen „Kaugummi“ unheimlich gerne aufnehmen.
Häufig wird empfohlen, die Hornspäne mit Blaudünger zu vermengen und in den Boden einzuarbeiten. Hier entsteht nahezu die Garantie, dass unsere Hunde danach buddeln, die gewünschten Pflanzen beschädigen und mit den Hornspänen zusammen auch noch das Blaukorn aufnehmen.

Rasendünger

Für Rasenflächen werden im Handel konventionell Flüssigdünger und feste Varianten angeboten, die lange im Rasen verbleiben und somit über den direkten Kontakt mit der Lippen und Zunge oder das Putzen der Pfoten aufgenommen werden können.
Nicht selten sind Rasendünger ein Unkrautbekämpfungsmittel beziehungsweise Mittel zur Vernichtung von Moosen beigemischt. Diese Substanzen sind giftig für Katzen, Hunde und Kinder und haben im Familiengarten mit Haustieren nichts zu suchen.

Biologische Alternativen

Achtung: Der Begriff „Bio“ ist leider nicht geschützt. Ebenso, wie beispielsweise bei Holzschutzmitteln, die im Außenraum immer noch recht bedenkenlos zum Einsatz kommen, ist der Begriff „Bio“ leider nicht geschützt beziehungsweise an bestimmte Parameter gebunden.

Flüssigdünger sollte auch in der biologischen Variante, zum Beispiel aus Seetang gewonnen, nicht zum Einsatz kommen. Auch diese vermeintlich Umwelt schonendere Variante der viel zu schnell ausgewaschenen Nährstoffe belastet unsere Gewässer und kann von unseren Tieren aus dem Gießwasser direkt oder über Untersetzer unter Balkonkästen und Kübelpflanzen aufgenommen werden.

Tipp: Rasendünger selber herstellen

Rasenflächen können ebenfalls mit einem selbst hergestellten, kostenlosen und umweltfreundlichen Sud gedüngt werden. Rezept siehe unten.
Hierzu wird dieser großflächig beispielsweise mit einer Gießkanne mit einem Brauseaufsatz aufgebracht und anschließend ein wenig mit klarem Wasser eingespült werden.
Das sollte nicht bei oder vor einem Starkregen geschehen, damit die Kräuter und Gräser des Rasens Zeit haben, die Nährstoffe über ihre Wurzeln aufzunehmen und diese nicht gleich in tiefere Bodenschichten ausgewaschen werden.

Biologische Langzeitdünger - die pflanzliche Alternative zu Hornspänen

Biologische Alternativen zu Hornspänen werden aus pflanzlichen Rückständen aus Biogasanlagen hergestellt. Die verwendeten Rohstoffe stammen aus ökologischen Landbau.
Diese biologische Variante ist den Hornspänen aus konventioneller Landwirtschaft allemal vorzuziehen und versorgen die Pflanzen mit organischen und anorganischen Nährstoffen, die peu à peu an den Boden und somit an die Pflanzen abgegeben werden.
Zudem sind die pflanzlichen Rohstoffe für Hunde weitesgehend uninteressant und werden nicht aufgenommen.

Aber ist Langzeitdüngen überhaupt sinnvoll? Wie düngt man sinnvoll und umweltbewusst?

Im Gemüsebeet macht die Versorgung der Nutzpflanzen in der Vegetationsperiode durchaus Sinn. Hierfür sollte man am Anfang der Wachstumssaison, also im Mai gemäß der Dosierungsanleitung biologischen, pflanzlichen Langzeitdünger einbringen und leicht in den Boden einarbeiten.

Für alle Zierpflanzen in einem Garten sollte eine standortgerechte Auswahl an Pflanzen dem übermäßigen Düngen vorgezogen werden.
Ist der Boden beispielsweise recht karg und nährstoffarm sind ungiftige Pflanzen wie Sanddorn, Gräser, Birken und Weidenarten Pflanzen mit hohen Ansprüchen an die Wasser- und Nährstoffversorgung vorzuziehen. Damit ist einem übermäßigen Düngen schon bei der Pflanzenauswahl und dem Anlegen eines Gartens, einer Terrasse oder einem Balkon vorzubeugen.  Hierzu beraten wir Sie gegebenenfalls gerne.

Was ist richtige Zeitpunkt zum Düngen?

Generell sollte mit biologischen Langzeitdüngern nur im Frühjahr gedüngt werden. Die angebotenen Nährstoffe werden dann nach und nach freigesetzt und von den Pflanzen über die Sommermonate verbraucht.
Düngt man im Herbst noch einmal, so wie es von vielen Herstellern empfohlen wird, werden die Nährstoffe über die Ruhephase der Pflanzen in Herbst und Winter nicht gebraucht und ausschließlich umweltbelastend ins Grundwasser ausgewaschen. Dies ist also eine Verschwendung von Ressourcen, Geld und eine Belastung für die Umwelt.

Welche Pflanzen müssen überhaupt gedüngt werden?

Gedüngt werden sollten zudem hauptsächlich Nutzpflanzen, die einen Ertrag liefern und große Früchte tragen sollen und gegebenenfalls noch einjährige Blühpflanzen, die Balkon-, Terrassen- und Gartenbesitzer mit einem üppigen Blütenflor beglücken sollen.
Gehölze, wie Bäume, Sträucher und mehrjährige Kletterpflanzen, sollten durch eine standortgerechte Auswahl kaum Düngung benötigen. Falls überhaupt, ist hier biologischer Langzeitdünger einmalig im Frühjahr im Bereich des Wurzelballens in Boden eingearbeitet aufzubringen.
Stauden, also mehrjährige Blumen, sollten bei normalem Gartenboden überhaupt nicht gedüngt werden, da sie sich sonst nur zu schnell verbrauchen, überaltern und absterben.

Bei einjährigen Blühpflanzen, wie beispielsweise den unbedenklichen Petunien, und auf dem Rasen ist ein selbst hergestellter Flüssigdünger die ideale Wahl.

Ökologischer Flüssigdünger - unbedenklich und kostenlos selbst hergestellt

In einem Haustier und Kind gerechten Garten mit unbedenklichen Pflanzenarten können Sie kostenlos und einfach einen idealen Flüssigdünger selber herstellen.
Alle abgeschnittenen oder herabgefallen Pflanzenteile unbedenklicher - also ungiftiger - Pflanzen können sie ganz einfach an einem sonnengeschützten Ort in einem Eimer oder einer Kanne drei, vier Tage in Wasser einweichen. Die enthaltenen Nährstoffe gehen ins Wasser über und können anschließend völlig unbedenklich auf dem Rasen Ihres Gartens oder unter einjährigen Blühpflanzen zum Einsatz kommen.
Idealerweise düngen Sie bitte nicht vor einem Starkregen, da dann auch diese Nährstoffe zu schnell ins Grundwasser gelangen. Ansonsten können Sie auf diese Art nach Bedarf mit gutem Gewissen und völlig gefahrlos für Ihre Katzen, Hund und Kinder düngen.

Viel Freude bei der Umsetzung dieser Anregungen. Ihre Gesundheit, die Ihrer Haustiere und die Umwelt werden es Ihnen danken!

Quellen

Greenpeace (2014): Pestizide im Blumenbeet. https://www.greenpeace.de/themen/pestizide-im-blumenbeet. Abruf 19.8.2021

Greenpeace (2014): Giftiger Garten Eden. Amsterdam

Zonoo UG (28.09.2017): Gefahren durch Putzmittel, Dünger und Schädlingsgifte. https://www.tiergesund.de/ernaehrung/katze/giftig-lebensmittel. Abruf am 20.08.2021