• Viele Katzen schlafen immer Winter mehr

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  • Kater Mylo wartet auf seinen Einsatz beim Clickertraining

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  • Kater Mylo macht es sich in den Pantoffeln bequem

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  • Langeweile im Winter bei Katzen "schön+gut"

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Langeweile bei Katzen im Winter

Auch Katzen können im Winter unter Langeweile leiden: das gilt für reine Wohnungskatzen als auch für Freigänger. Ab dem Herbst, wenn die Tage kürzer, kälter und nässer werden, zieht es viele Katzen eher auf die kuschelig-behagliche Couch als raus auf den Balkon, die Terrasse oder in den Garten. Freigängerkatzen drehen ab November oft kleinere und kürzere Runden und verbringen längere Zeit in der warmen Wohnung. Nur die wenigsten und ganz passionierten Freigängerkatzen sind auch in der kalten Jahreszeit noch genauso viel unterwegs wie den wärmeren Monaten. Gerade älteren und alten Katzen setzt die Kälte sehr zu. Schmerzhafte Gelenkprobleme und Arthrose, unter denen viele Katzen im Alter leiden, werden schlimmer bei nass-kaltem Wetter und Katzensenioren brauchen viele warme und ruhige Ruheplätze im Haus.

In unserer Beratungspraxis für Katzen herrscht ab den frühen Wintermonaten Hochsaison, da vermehrt Verhaltensprobleme auftauchen. Der Grund dahinter ist oft aufgestaute Frustration bei Katzen aufgrund von Langeweile, mangelnder Bewegung und fehlenden natürlichen Reizen sowie katzengerechter Beschäftigung. Einigen, gerade jungen und/oder agilen Samtpfoten fällt im Winter die Decke auf den Kopf und es herrscht Hüttenkoller. Diese Unterbeschäftigung kann u.a. auch zu Problemen im Mehrkatzenhaushalt führen, da auch die Katzen mehr Zeit dichter beieinander verbringen und mitunter um besonders begehrte warme Kuschelplätze in der Nähe ihrer Menschen konkurrieren. Auch treten ab den späten Herbst und in der kalten Jahreszeit noch häufiger Unsauberkeit bei Katzen auf, sprich die Tiere benutzen ihr Katzenklo nur noch teilweise oder gar nicht mehr für ihre Geschäfte. Weitere Verhaltensprobleme, die im Cat Institut im Winter vermehrt auftreten sind Aggressivität gegen Menschen und feline selbstinduzierter Alopezie (FAS). Unter FAS versteht man das übermässige Belecken, Benagen und Beknabbern des Fells, bis hin zur Entwicklung kahler und entzündeter Stellen. FAS kann organische und/oder psychische Gründe haben. Häufig findet man auch eine Kombination von beidem: in diesen Fällen ist eine enge Zusammenarbeit und Abstimmung der Massnahmen mit den behandelten Tierärzten wichtig.

Doch der Winter hat nicht nur Nachteile für Katzen: Da auch wir Menschen, wenn es kalt wird mehr Zuhause ist, Zeit für Katzen da, die auch sinnvoll genutzt werden kann.

Tipp: Mit den Katzenkursen unserer Onlineakademie „Zeit für Katzen“ lässt  es sich gemütlich vom Sofa aus zusammen mit seiner Katze mehr Wissen über Katzen aneignen.

 

Interview Birga Dexel mit dem RBB, 18.1.2022

Frage: Wenn meine Katze jetzt im Winter nicht raus möchte, soll ich sie in Ruhe lassen oder doch mal rausscheuchen, damit sie beschäftigt ist?

Birga Dexel: Viele Katzen sind wettersensibel und sollten selber entscheiden können, ob sie bei schlechtem Wetter auf den Balkon, die Terrasse oder in den Garten rausgehen möchten oder nicht. Wir mögen ja schließlich auch nicht bei Wind und Wetter vor die Tür gesetzt werden😊.  Es ist normal, dass Katzen im Winter mehr schlafen und dösen, aber sie sollten nicht in einem quasi Winterschlaf vor sich hindämmern oder sich durchfuttern. Deswegen ist es wichtig, dass Katzenhalterinnen und Halter ihren Samtpfoten gerade auch im Winter ausreichend katzengerechte Interaktions- und Beschäftigungsmöglichkeiten anbieten. Das können für die Katzen interessante Spieleinheiten zusammen mit ihren Menschen sein, besonders geeignet ist aber auch das Clickertraining für Katzen. Mit dem Clickertraining kann man mit den Katzen zugleich spannende, unterhaltsame und sinnvolle Übungen durchführen.

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Frage: Viele Katzen schlafen und fressen mehr im Winter – wie kann ich sie sinnvoll beschäftigen?

Birga Dexel: Das das Aktivitätslevel von Katzen im Winter abnimmt, ist bis zu einem gewissen Grad völlig normal, auch nimmt der Appetit zuweilen trotz weniger Aktivität zu. Deswegen besteht im Winter die Gefahr, dass die Katzen zunehmen. Auch bei Katzen ist Übergewicht ein zunehmendes Thema. Ein maßvolle Gewichtszunahme ist wie bei uns Menschen auch bei Katzen normal, aber ab dem Frühjahr sollten die Gramme wieder fallen. Um die Gewichtszunahme zu begrenzen, ist es sinnvoll neben einer artgerechten Ernährung die Katze gleichzeitig körperlich in Bewegung halten. Dafür bieten sich für gesunde Katzen bewegungsintensive Spiele zum Beispiel mit einer Katzenangel und auch ins Clickertraining eingebaute Sprünge, Kletterübungen oder auch ein Indoor-Katzenparcour an.

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Frage: Ab wann wird das wieder besser Ihrer Erfahrung nach? Wann ändert sich das Verhalten meiner Katze wieder?

Birga Dexel: Vielen Halter merken, dass sich das Verhalten ihrer Katze im Frühjahr wieder ändert, sie werden aktiver (für manche Halter dann auch zu aktiv), wollen wieder mehr Zeit draußen auf dem Balkon oder im Garten verbringen und zeigen generell wieder mehr Interesse an der Welt draußen. Dies gilt auch für reine Wohnungskatzen, die dann gerne noch mehr Zeit auf dem Fenstersims sitzend und nach draußen schauend verbringen. Wenn das Tageslicht wieder länger wird, beginnt draußen die Paarungszeit der Katzen; und auch kastrierte Katzen sowie auch urbane Stubentiger reagieren auf die zunehmenden Katzenaktivitäten und zuweilen lautstarken Katerkämpfe draußen.

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Frage: Woran erkenne ich, dass es meiner Katze nicht gut geht? Welche Anzeichen sollte ich beachten?

Birga Dexel: Auch Katzen können zum Beispiel Depressionen entwickeln. Diese zeigen sich bei Katzen daran, dass sie sich oft immer mehr zurückziehen, dass sie lethargisch werden, wenig Interesse an ihrer Umwelt zeigen und sich schlecht zu Aktivitäten motivieren lassen. Bei einigen Katzen ändert sich auch ihr Fressverhalten: einige Samtpfoten fressen mehr, andere weniger. Generell sollten Halter hellhörig werden, wenn ihre Katze deutliche Verhaltensänderungen in ihrer täglichen Routine zeigt. Die Gründe können körperlicher oder psychischer Natur oder auch beides sein. Auf jeden Fall sollte das Tier bei Verdachtsfällen einem Tierarzt vorgestellt werden, denn Katze  neigen dazu ihre Schmerzen beispielsweise nicht zu zeigen. 

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Frage: Um Katzen zu entspannen und zu beruhigen, gibt es zum Beispiel Produkte mit Katzen-Pheromonen. Ist das eine Lösung?

Birga Dexel: Gerade im Winter ist es wichtig, dass Katzen nicht beruhigt werden, wenn ihnen beispielsweise aus Langeweile die Decke auf den Kopf fällt und sie wie Menschen in vergleichbaren Situationen auch unter Hüttenkoller leiden, sondern sinnvoll beschäftigt und zu Bewegung motiviert werden. Katzen, die sich regelmäßig bewegen sind wie wir Menschen auch ausgeglichener, gesünder und neigen weniger zu Verhaltensprobleme als Katzen, die den ganzen Tag auf dem Sofa rumliegen. So sind Katzen nach einer Clickereinheit in der Regel wunderbar müde und entspannt: ganz ohne Hilfsmittel.

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Fernsehtipp: Birga Dexel Live im Studio bei schön+gut. RBB. 18.1.2022 um 18.15 Uhr. In der ARD Mediathek steht der Beitrag kostenfrei bis zum 18.1.2023 zur Verfügung. hier geht es zum RBB-Beitrag in der Sendereihe schön+gut mit Birga Dexel und schön+gut Moderatorin Jaele Vanuls. Thema:  "Problemverhalten bei Katzen". Wie man der Langeweile bei Katzen im Winter entgegenwirken kann.